_amun_ra_ ([info]_amun_ra_) wrote in [info]la_isla,
@ 2006-09-26 20:50:00
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03. Lambda 5624 - Kasualien und andere Begleiterscheinungen [editiert]
(für Asmodeus hier, da ihr LJ trotz beharrlicher Drohung streikt)

(früher Morgen, Asírs Apartment)

Asír öffnete mit seiner Schlüsselkarte die Tür zu seinem Apartment. Er hatte einen freien Tag, zum ersten Mal seid so langer Zeit, da wollte er nach seiner Wohnung sehen. Ihm war nicht wohl dabei zu wissen, dass ein anderer darin lebte. Nachdem er sichergestellt hatte, dass Dorê nichts finden konnte was nicht für seine Augen bestimmt war, hatte er eingewilligt, ihn dort wohnen zu lassen. Das schlimmste erwartend öffnete er die Tür…und taumelte fast zurück.

In dem schmalen Gang war direkt neben dem Eingang eine Art Schrein aufgebaut mit einer kleinen Figur darin, die kunstvoll gefertigt war. //Shabaka// schoss Asír es durch den Kopf. Diese Statue hatte in seinem Elternhaus gestanden, überlebensgroß begrüßte sie in der Eingangshalle der Villa Al’Anfa jeden, der kam und sie verabschiedete jeden, der sie verließ. Asír griff nach der Figur, musterte sie näher. Sie schien recht kostbar zu sein, sie war schwer und schien aus Silber zu bestehen, nicht aus reinem, aber sein Kennerblick ließ ihn einige Schichten mutmaßen. Dargestellt war ein älterer Mann in typisch andreijanischer Tracht, der langen Robe eines Diplomaten. Er trug eine altmodische Waage in beiden Händen, die Gesichtszüge waren fein ausgearbeitet und stellten die ernste Miene eines Aristokraten dar. Die Augen waren leer und aus den schwarzen Höhlen funkelten bei Lichteinfall zahlreiche Steine, die das Licht brachen und wie der schimmernde Nachthimmel erschienen. Die Figur in der Hand haltend stapfte Asír in das Wohnzimmer seines Apartments, bemerkte zahlreiche neue Bilder und Pflanzen, die aufgestellt waren.

„Was soll DAS?!“ Asír zeigte auf die Figur, hielt sie Dorê entgegen. Der Junge saß auf dem Sofa, die Beine übergeschlagen und in ein Pad vertieft. Fast gelangweilt sah er auf, als Asír eintrat. „Das ist Shabaka“, setzte er zu einer Erklärung an, doch Asír unterbrach ihn harsch. „Ich weiß, dass das Shabaka ist, ich will wissen, was dieses…Ding hier tut?!“ Was hatte der Gott der Optimaten und Primaten Andreijas, der Gott der Gerechtigkeit, des Gesetzes und der Diplomatie hier in seinem Haus zu suchen?!

„Ein Schrein dient für gewöhnlich der Verehrung von Göttern…“, entgegnete Dorê kühl, schüttelte leicht den Kopf. „Stellen Sie sie wieder zurück…“, seine Augen funkelten. „Wie heißt das?!“ Asír baute sich vor Dorê auf, sofort senkte der Junge scheu den Blick. „…bitte, Asír-sehf…“

Wütend warf Asír die Figur auf das Sofa. „Verkauf sie, wenn du Glück hast kannst du etwas Geld dabei herausschlagen, sie sieht recht wertvoll aus. Aber außer ihrem Anteil an Silber und Edelsteinen ist diese Figur wohl wertlos…“ Nun, wertlos war sie mit Sicherheit nicht, jedenfalls nicht komplett… Die Figur schien sehr alt zu sein, ein Familienerbstück wohlmöglich, aber die Bedeutung, die sie hatte, war hier gleich null. „Und überhaupt, was hast du aus meiner, ich wiederhole, MEINER Wohnung gemacht?!“ Er deutete auf die Pflanzen und die Bilder, die an den Wänden hingen und die farbenfrohe Landschaften aus Asírs Heimat zeigten. Auch die weißen Vorhänge waren gewichen und wurden von einem schweren, roten Stoff verhangen, andreijanischer Herkunft natürlich.

„Ich fand das Zimmer so…steril, daher dachte ich…“ „Wie oft soll ich dir noch sagen: Lass das denken!“ Asír raufte sich die Haare. „Ich habe dir erlaubt hier VORÜBERGEHEND zu wohnen, nicht, dass du dich hier als mein Innenarchitekt aufspielen darfst! Wenn ich wieder hier einziehe verschwindet dieser Krempel, ist das klar?!“

Dorê sah Asír mit einem trotzigen Blick an. „Ich verstehe nicht, wieso Sie sich so dagegen sträuben, Asír-sehf…“, entgegnete er kühl. „Ich meine, gerade Sie, Sie müssten doch einen gewissen Lebensstandart gewöhnt sein. Wenn ihr Vater wüsste…“ Asír schlug mit der Hand hart auf den Glastisch, so hart, dass für einen Moment zu befürchten war, dass dieser unter der Wucht zerbersten würde. „Er weiß es nicht und er wird es niemals erfahren. Und sollte ich herausfinden, dass du kleiner Bastard auch nur eine Nachricht meines Verbleibs nach Andreija schickst, dann ist es nicht mehr damit getan Shabaka oder einen der anderen Götter anzubeten, die werden dir dann nicht mehr helfen können…Haben wir uns verstanden?!“

Asírs violette Augen funkelten zornig, er baute sich vor dem anderen auf, seine Hand hatte sich drohend um die Kehle des Jungen geschlossen. Schwach nickte dieser, fast erschien der sonst so trotzig dreinblickende Junge verängstigt. „Mel’an me Tab’aku, Asír-sehf…“ Asír ließ ihn so schwungvoll los, dass der Knabe in die Kissen zurückfiel. //Sie haben mein Wort…// Das hoffte Asír, denn sollte er merken, dass auch nur eine Nachricht heimwärts ging würde der Kleine verschwinden und es war ihm egal, ob der Palast davon Wind bekam oder nicht. Asír hatte eine Fangschaltung installiert, ein leichtes für jemanden mit seinen Fähigkeiten. Wann immer eine Nachricht sein Apartment verließ oder erreichte, egal wo er sich befand, er wusste es.

„Zamira…hat sich vor wenigen Minuten gemeldet…“, kam es schließlich, fast kleinlaut, von Dorê. „Sie möchte sich heute mit uns allen treffen…Sie hat das La mensa casâ vorgeschlagen, Sie wissen wo das liegt, Asír-sehf?“ Asír nickte. „Das befindet sich auf dem Universitätsgelände.“ Er seufzte leise. Damit war sein freier Tag wohl gelaufen. Verdammt. „Ich…Ich habe ein paar Kleider für Sie herausgelegt. Sie sind mir ein wenig zu groß, aber ihnen dürften sie passen…“ Asír hob skeptisch eine Augenbraue, begab sich in sein Schlafzimmer. Wirklich, dort lagen, natürlich in perfekter Ordnung, die Kleider, die Dorê erwähnt hatte. Was war in den Bengel gefahren, dass er gelegentlich solche…netten Anwandlungen hatten? Oder war es nur wieder ein Versuch, Asírs Heimatgefühl zu stärken? Er zuckte mit den Schultern, dem lieben Frieden willen würde er die Kleider tragen, auch wenn ihm nicht ganz wohl dabei war. Er trag vor den Spiegel sah an sich hinab als er fertig war.

Seine eigene Kleidung war sehr landestypisch, eine legere weiße Stoffhose mit kunstvollen Stickereien am Saum. Darüber trug er eine Art Sari der bis über die Mitte der Oberschenkel reichte. Im Licht funkelte er in allen nur erdenklichen Rottönen, wobei das dunkle blutrot überwog. Um die Hüfte hatte er ein weißes, ebenfalls besticktes Tuch als Gürtel gebunden. Seine schwarzen, etwas längeren als schulterlangen Haare waren streng zurück gebunden. Asír schüttelte sich leicht. Nicht nur, dass in seiner eigenen Wohnung Andreija nach und nach wieder Einzug hielt, jetzt hatte auch noch in seinem Kleiderschrank ein Wandel stattgefunden. Nun ja, es war ja nur ausnahmsweise…

Asír trat zurück ins Wohnzimmer. Dorê sah aus, nickte anerkennend. Er setzte zu einer Bemerkung an, doch Asír machte eine entschiedene Handbewegung. „Kein Wort oder du bereust es…“; zischte er. „Ich habe noch etwas zu erledigen, sie zu, dass du deinen Schlüssel hast und dass du die Tür richtig hinter die schließt.“

„Ich bin kein kleines Kind mehr…“, schmollte Dorê, verschränkte die Arme trotzig vor der Brust. „Ich merke es“, kam es trocken zurück und Asír schüttelte nur fassungslos den Kopf. „Bis später...“ //…leider…//

„Mennoch talí, Asír-sehf!“

~+~

Nachdem Asír sich ein wenig Zeit für sich genommen hatte (was in seiner eigenen Wohnung ja nicht mehr möglich zu sein schien) hatte er sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt gemacht. Das „La mensa casâ“ war ein kleines Café auf dem Gelände der Universität, die Asír mittlerweile so vertraut war, wie seine eigenen vier Wände…nun ja, wie diese es einmal waren. Daher warf Asír nur einen flüchtigen Blick auf das Inventar des Cafés, dass im hinteren Gebäudeteil ein kleines Restaurant beheimatete. Der Stil war recht mediterran gehalten, bekannt war das Café für die besten Longdrinks der Stadt, wie Asír sich hatte sagen lassen, nicht ohne sich selbst davon zu überzeugen, schließlich arbeitete er selbst als Barkeeper.

Asír betrat das von vier Säulen gehaltene Gebilde, sah sich suchend um. Es würde ihn doch sehr überraschen, wenn er Zamira und deren Begleitung jetzt schon hier antreffen würde, seit wann war diese Frau schon pünktlich? Umso erstaunter war er, als er eine andere Person entdeckte, die ihm recht bekannt erschien. Er musterte sie kurz, eine filigrane Augenbraue wanderte nach oben ob dieses doch recht…eigentümlichen Bildes. Weiter hinten direkt neben einer Säule platziert (natürlich ein Platz, von dem aus man alles beobachten konnte, wie Asír fast resignierend feststellte) saß ein Mann in klassischem rubinrotem Seidenanzug, darunter trug er ein silbernes Livree. Die in der tat beeindruckend langen Haare waren offen, nur das Deckhaar war am Hinterkopf lose zusammengefasst worden. Ein fast nicht als solches erkennbares Lächeln lag auf den Zügen des Mannes als er seinen Begleiter ansah, der Asír den Rücken zukehrte. Schließlich fanden
amethystfarbene Augen den Blick aus ebensolchen, sie gehörten niemand anderem als Rafaéll ìrj Jeccschalen.

Was nun? Seine Erinnerungen an ihr letztes Treffen war nicht gerade das erfreulichste was ihm bisher widerfahren war. Und an seinem freien Tag, an seinem EINZIGEN freien tag seinem Auftraggeber in die Arme zu laufen…nun ja. Vor allem hatte er nicht erwartete, Rafaéll hier zu treffen. Dennoch, Asír besann sich auf seine gute Kinderstube (wenn man es wagen dürfte in seinem fall davon zu reden) und trat zu den beiden und deutete eine leichte Verbeugung zum Gruße an.
Rafaéll zog seine rechte Hand in einer routinierten Geste an die Stirn und das rechte Augen, bevor er sich an Asír wandte: „Nicht doch Herr Al'Anfa. Ich freue mich Sie hier zu sehen!“ Das erstaunlichste für Asír war daran, dass das Lächelnd des Mannes gegenwärtig blieb und sich nicht hinter der kühlen Maske verbarg. Doch Rafaéll setzte noch einmal nach. „Achm’alad“, er deutete auf einen der beiden Stühle, die noch unbesetzt waren, „Wenn sie wollen?“

Asír fühlte sich unwohl, dass gerade heute so viele Leute es für nötig hielten, ihn in seiner Muttersprache anzureden, doch er ließ sich nichts anmerken, nickte nur höflich. „Wie könnte ich da ablehnen?!“

Nun wurde auch sein Blick auf Rafaélls Begleitung gelenkt, als dieser den Jungen man in einer fast zärtlichen Geste am Arm berührt. „A-Naaisha? Ich möchte dir Asír Al'Anfa vorstellen, meinen Sicherheitsmann während der Ausstellung.“ Der Andreijaner musterte aufmerksam die Gestik mit der Rafaéll den Mann auf ihn aufmerksam machte, woraufhin dieser seinen Blick Asír zuwandte. Er jetzt fiel ihm bei genauerer Betrachtung auf, dass, wie hatte Rafaéll ihn genannt? A-Naaisha wohl sein Augenlicht verloren haben musste…oder es niemals besaß, wer konnte das schon wissen. Doch fast noch beeindruckender als diese eigentlich recht lebendig wirkenden Augen war die art und Weise, wie Rafaéll mit dem Jüngeren sprach. Er hatte seine arrogante Art abgelegt, ja, fast klang seine sanft. Asír vermutete, dass, wenn sein Auftraggeben A-Naaisha nicht liebte (was nicht auszuschließen war), dieser doch zumindest sein Bett mit ihm teilte. Er hatte zu lange Zeit in diversen Kreisen verkehrt um so etwas nicht auf den ersten Blick zu erkennen…

Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen als ein keckes „Hey“ von dem Blinden an ihn gerichtet wurde. Asír entgegnete nichts außer einem kühlen „Hallo“, was hätte er auch sonst zu dieser doch recht…eigenen Konstellation sagen können? Nun, aber dieser A-Naaisha hatte seine Neugierde geweckt, war er doch der Grund für Rafaéll mehr von sich zu offenbaren als es in offiziellen Gesprächen der Fall war.

„Ganz wie mein Herr. Nett.“ Das Grinsen im Gesicht A-Naaishas wurde ein wenig breiter als er sich wieder einem Gegenstand widmete, den er in den Händen hielt. Er jetzt schenkte Asír ihm Beachtung und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass er ihn kannte!

„Du hast gesagt, das der Code durch das Genmaterial seines Besitzers aktiviert wird?“, fragte gerade der neugierige junge Mann woraufhin Rafaéll ihn verbesserte. „Wurde.“ In einer sanften Geste legte er die Hand A-Naaishas auf eine kleine Einbuchtung in der Waffe, genauer gesagt in dem Perlmuttgriff. „Spürst du es? Genau hier.“

Noch während der junge Mann fort fuhr, die Waffen in den Händen zu drehen und zu wenden wandte sich Rafaéll wieder Asír zu. „Darf ich Sie zu einem Getränk einladen - nur wenn Sie Zeit haben. Heute ist Ihr freier Tag.“


[…]
Asír musterte das Messer aufmerksam, mit dem A-Naaisha spielte, bevor er antwortete: "Sehr gerne. Aber, mit Verlaub, ich sehe, dass ist ein Anderes Lichtmesser als das, dass ich in der Ausstellung beaufsichtige?!"

Rafaéll hob seinen Kopf und sah den Andreijaner kurz an, wieder fiel Asír auf, dass sie fast die gleiche Augenfarbe teilten. „Ja. Das hier ist das Messer der Jeccschalen. Herr Salvestri beherbergt in seiner Ausstellung natürlich ein Exponat, das überall in den Sektoren die Technologie der Velaa dokumentiert. Mein eigenes erscheint etwas maliziös...“ Der Mann mit den langen schwarzen Haaren Sah A-Naaisha dabei zu, wie dieser versuchte, dem organischen Material irgendeine Regung zu entlocken. „…es sei denn ...“, fuhr Rafaéll fort und A-Naaisha beendete seinen Satz: „…geschickte, unartige Finger bekommen es in die Hände. Schon mal in ihren flinken Fingern gehalten?“ Unabsichtlich hielt der junge Mann Asír das Messer unter die Nase, was diesen instinktiv zurückweichen ließ.

„Ja“, entgegnete dieser kühl. „Als ich die Exponate zum ersten Mal gesichtet habe…“

„Und Herr Al'Anfa ging vorsichtiger damit um als du Sash.“ Rafaéll ließ sich zu einem leisen Lachen hinreißen, als Sash nur den Kopf schüttelte und das Messer wieder zurück in sein Etui legte. Rafa#ell winkte einen vorbelaufenden Kellner vorbei, bevor er sich wieder an Asír wandte: „Sie werden das sicher verstehen. Ich hatte einige Bedenken ein Familienstück abzutreten.“ Das verstand Asír nur zu gut… Er bestellte sich ein Wasser und musterte lediglich A-Naaisha mit gehobener Augenbraue als dieser die Waffe wegpackte. Das Lichtmesser faszinierte ihn ungemein, er hätte alles dafür gegeben, mehr darüber zu geben, doch es war wohl velaanische Technologie und er hatte die Erfahrung gemacht, dass Velaaner solche Geheimnisse zu hüten wussten.

A-Naaisha schlürfte ungeniert an seinem Latte, noch immer lächelnd fragte er: „Was ist?!“

Wie es schien konnte der junge Mann seine Umgebung trotz seiner Blindheit sehr gut wahrnehmen. Nun, Asír erschütterte nichts mehr, es gab zu viele Spezies mit zu vielen Fähigkeiten, er käme zu nichts mehr würde er sich über alles und jedes wundern. So antwortete er nur mit einem kühlen „Nichts.“ Er würde dem neugierigen Kerlchen sicherlich nichts darüber erzählen woher er kam oder was in gerade bewegte.

Gar keine Fragen? Dann müssen Sie ein reiflich oberschlauer Mensch sein, was mich wundert. Rafaéll Jeccschalen beschäftigt keine Banausen, oder?“ A-Naaisha schob seine Tasse ein wenig von sich. „Sturköpfe dagegen liegen ihm.“ Er lachte wieder laut auf. „Ich habe genug Fragen. Ich habe nämlich nicht vor, als Dummchen zu sterben.“ – „Sash“, raunte Rafaéll diesem zu.

Nun, dass Sturköpfe Jeccschalen lagen war wohl kein Geheimnis, das schien sogar der Grund gewesen zu sein, weshalb ER die Stelle bekommen hatte und nicht jemand anders. Aber Asír? Ein Dummerchen? Die freche, ja richtiggehend unverschämte Art des Jungen erinnerte ihn an Zamira… Das entlockte Asír ein trockenes Lachen bevor er meinte: „Dann sollten Sie sich besser daran gewöhnen, dass es Personen gibt, denen man besser keine Fragen stellt.“

Eine harte Lektion, die einen das Leben lehrte.

‚Sash’, wie Rafaéll ihn nannte, stützte sein Gesicht auf seine Hand auf, nicht nur seine Augen funkelten sondern auch der Diamant, der an seiner rechten Schläfe ja…klebte?! Über seine Funktion würde Asír sich einfach nicht klar… „Oh. Sie gehöre dazu! So etwas nie erwähnten.“ Der Kellner kam und brachte Asír eine Karaffe mit Wasser und Eiswürfel, daneben stellte er das Glas aus gelbem Erzkristall. Asír schenkte sich ein, während er mit den schultern zuckte. „Wer weiß…“

Sash wollte zu einer Erwiderung ansetzen doch Rafaéll unterbrach ihn, in dem er selbst das Wort an Asír richtete… „Sie haben bisher gute Arbeit geleistet und ich möchte Ihnen auch dafür danken, dass Sie trotz der Verlängerung dieser Ausstellung noch immer zur Verfügung stehen.“ Wie nicht anders zu erwarten nahm Rafaéll eines seiner Pads zur hand überflog dessen Inhalt. Natürlich, er überwachte jeden Schritt den Asír unternahm, er war es inzwischen ja gewöhnt. „Sie machen oft Überstunden...“
Asír wurde hellhörig. Ja, das machte er…Er wurde Stundenweise bezahlt, zudem ging er dann, wenn er es der Situation angemessen war. Mitten im Chaos konnte er schließlich nicht das sinkende Schiff verlassen oder? Aber wieso war das eine Erwähnung wert, vor allem in einem solch…überlegenden Tonfall? Bevor Asír noch mehr Gedanken daran Verschwenden konnte, schaltete Rafaéll das Pad wieder aus. „Aber genug davon. Sie haben heute frei. Hatten Sie schon die Möglichkeit die Ausstellung auch zu genießen? Die anderen Exponate auch zu sehen?“

„Ja, diese zeit habe ich mir genommen. Es sind einige…interessante Stücke dabei. Auch wenn ich der Meinung bin, dass diese Waffen bei ihren Eigentümern am besten aufgehoben sind…“ Asír seufzte leise und schwermütig. Waffen gehörten in die Hände ihrer Eigentümer und nicht hinter Glas. Eine Waffe zu besitzen und dann nicht auch nicht einmal Gebrauch von ihr zu machen…das war als würde man einem Vogel die Flügel stutzen, bevor man ihn in einen goldenen Käfig setzte. Was seine Waffen wohl zu Zeit machten? Wenn er auch nur einen winzigen Kratzer an ihnen finden würde, dann würde er Apoll aber die Hölle heißmachen, das würde diesen kalten Eisblock vielleicht endlich mal auftauen.

„Finden Sie? Es sind Waffen. Mit einigen tötet man noch heute.“ - „Wie ich bereits sagte- es obliegt dem, der die Waffe führt, zu handeln, nicht der Waffe selbst. Auch wenn es seltene Exemplare geben soll, die ihre Besitzer regelrecht obsessiv werden lassen…“ Hier würden Rafaéll und Asír wohl niemals ganz auf einen Nennen kommen oder verstand Rafaéll ihn besser als er es zugeben mochte?

„Obsessionen mag ich nicht sonderlich.“ Sash schien, überraschenderweise, nachdenklich geworden zu sein durch ihr Gespräch. Rafaéll nickte verstehend. „Ich verabscheue diese Charaktere auch.“
Doch Sash fand zu seiner kecken Art schnell zurück als er nachlegte: „Wobei ich bei dir eine kleine Zwangsneurose durchaus begrüßen würde.“ Er grinste in Asírs Richtung. „Ich bin nämlich völlig unterbeschäftigt.“ – „Willst du noch einen Latte, mein Kleiner?“

Asír runzelte leicht die Stirn. DAS war nun allerdings ein neuer, sehr interessanter Aspekt. Unterbeschäftigt? Wie es schien bestätigte seine Vermutung sich von Mal zu Mal mehr. Sash schien für Rafaélls…leibliches Wohl verantwortlich zu sein, wenn er dessen anzügliche Bemerkung und das Ablenken Jeccschalens nicht völlig falsch deutete. Ihm sollte es egal sein, was seine Auftraggeber wann und mit wem taten ging ihn nichts an, daher nahm er nur schweigend einen weiteren Schluck von seinem Eiswasser, bevor er einen Blick auf seine Uhr warf. War er hier nicht ursprünglich mal verabredet gewesen? Nicht, dass es ihn störte, dass er noch eine Weile länger auf Zamira und Co. verzichten musste…

„Und Gott sei Dank habe ich keine Probleme mit der Zeit. Bei dir zumindest nicht.“ A-Naaisha lachte wieder leise und Asír konnte beobachten, wie der Mann mit der schwarzen langen Mähne sich in seinem Sessel zurücklehnte und an seinem Ring spielte. Eine Geste, die Asír bei dem Mann wie er ihn kennen gelernt hatte, als völlig deplatziert empfand. „Ich will Sie nicht aufhalten Herr Al'Anfa. Wenn Sie noch einen Termin haben, bitte.“

„Ich warte hier auf jemanden, und es würde mich sehr wundern, wenn sie pünktlich wären…“, winkte Asír mit bitterem Tonfall ab. Zuverlässigkeit war keine von Zamiras Stärken… „Aber vielleicht sollte ich wirkich gehen…ich möchte ihnen diesen Anblick ersparen…“Sonderlich klug war es mit Sicherheit nicht, Plappermaul Zamira auf Rafaéll und Sash loszulassen.

„Vielleicht.“ Rafaéll ließ zu hinter verschränkten Fingern zu einem Lachen hinreißen. „Aber mir geht es wie A-Naaisha: Ich möchte nicht als dummer Mann sterben.“ Wieso hatte Asír so etwas fast erwartet?

„Das ist ein Wort!“ Erfreut klopfte Sash auf die Tischplatte. „Was halten Sie davon Herr Al'Anfa. Ein Velaaner, der noch nicht alles kennt.“

Nun, bei dem, was Asír über Velaa wusste war das wirklich ein bemerkenswerter Umstand. Dennoch entgegnete er trocken und mit einem Kopfschütteln: „Sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt…Das könnte sogar für einen Veelaner zu viel sein…“

„Dann will ich hoffen, dass wir alle diesen denkwürdigen Tag überleben.“ Sash schien mit sich und der Welt zufrieden zu sein und Rafaéll kehrte zurück zu einer überheblichen Art wie Asír ihn kannte. Schweigend, versteht sich. „Außerdem hätte ich wirklich noch gerne einen Latte.“ A-Naaishas blinden Augen gleiten durch den Raum, bevor er fragt: „Wo ist der Kellner?“

„Er ist gerade nach hinten verschwunden“, warf Asír ein. „Wenn er wiederkommt, einfach -“, Sash deutete auf seine Augen, „ich kann ihn schlecht sehen.“ Dann leerte er genüsslich seine Tasse.

„Sie sind blind, aber sie scheinen dennoch recht viel mitzubekommen…“, bemerkte Asír am Rande, es war wirklich beeindruckend. Er winkte den Kellner herbei und Rafaéll erledigte die Bestellung. „Noch einen Latte, ein Eiswasser und für mich den Zimteistee.“ „Den extra Milchschaum nicht vergessen“, rief Sash dem Mann noch extra nach. „Danke.“, wandte er sich artig an Asír, er hatte wohl doch so etwas wie Erziehung genossen auch wenn seine Dreistigkeit manchmal nicht darauf schließen ließ.
„Für welche Art von Waffen interessieren Sie sich eigentlich? Altes, neues, utopisches?“, erkundigte er sich schließlich. Asír wollte schon antworten als er das leise Murmeln Rafaélls vernahm. „Für seine eigenen nehme ich an.“

Asír warf Rafaéll einen scharfen Blick zu. Da lag er, verdammt noch mal richtig, ja. Das war jedoch kein Grund spitzzüngige Bemerkungen darüber zu machen. „Das ist in der Tat korrekt.“ Klang das sehr verletzt? Verdammt noch mal, er wollte seinen Besitz zurück haben, diese Waffen gehörten Ihm und er hatte ein recht darauf, sie wiederzubekommen! Sie waren ein Teil seines Lebens und oftmals auch seines Berufes. Bevor er abschweifen konnte, wandte er sich Sash zu. „Aber im großen und ganzen faszinieren Waffen jeglicher Art mich. Schließlich bauen sie alle aufeinander auf, ohne die Alten gäbe es die Neuen nicht…“

A-Naaisha warf Rafaéll einen kurzen Blick zu. „Welche Waffen favorisieren Sie?“

Eine gute Frage. „Das ist schwer zu sagen…die Alten denke ich…“ Er schwieg eine Weile. Das ewar etwas, über das man in der Tat sinnieren konnte. Er liebe seine modernen Schusswaffen, ja, und er würde alles tun um sie wieder in seinen Händen halten zu können…aber alten Waffen wohnte eine unglaubliche Faszination inne. Mehr noch als modernen Waffen wohnte ihnen eine Geschichte inne sie wurde von Hand geschmiedet, eine kalte schwere Klinge hatte schon ihre Reize.

Sash wie auch Rafaéll schienen aufzuhorchen. Fragend sah Asír von einem zum anderen. „Bitte?“ War es so erstaunlich, dass er historische Waffe bewunderte?

„Es überrascht mich, dass Sie altem Gerät den Vorzug geben.“, erklärte Rafaéll, während Sash fast zeitgleich einwarf: „Interessant. Ich hatte das Gefühl, sie stehen auf diese modernen Schusswaffen.“ Rafaéll lehnte sich wieder zurück, studierte Asír aufmerksam. Sash hingegen blickte ihn nur aufmunternd und fragend an. Asír war sich nicht sicher, welchen der Blicke er unangenehmer finden sollte…

„Ist das so?!“ Asír gab sich Mühe, seine Miene vollkommen unbeweglich zu lassen. „Nun, ich kann nicht leugnen, dass ich einst beides in meinem besitz hatte und, so hoffe ich doch, bald wieder haben werde…“ //Wenn nicht bringe ich diesen blonden Bastard persönlich zur Strecke…//

„Logischer Behördenapparat eines Militärstaates“, sagte Rafaéll langsam. Er schien sich damit auszukennen. Und es schien ebenso offensichtlich zu sein, was Asírs Problem war, in wessen Gewalt sich seine Kostbarkeiten befanden. Das waren Einzelstücke, Präzisionswaffen. Ihm graute es, was ihnen in den falschen Händen zustoßen konnte…wehe, man hatte daran herumgeschraubt…

„Unsinn. Vorsichtsmaßnahmen, die man verstehen muss. Das hier ist ein Vergnügungsplanet.“ Sashs Naivität war wirklich bewundernswert. „Ich halte „Militärstaat“ auch für die bessere Beschreibung, aber das ist ein anderes Thema.“, entgegnete Asír bitter.

„Zu gefährlich für öffentlich Plätze.“ Asír war überrascht darüber, dass Rafaéll seinen Wink verstand. Er wollte weder hier noch mit diesen Leuten über ein solch prekäres Thema reden, dass ihn sehr schnell das Leben oder schlimmeres- seine Freiheit kosten konnte. „Wir waren bei den alten Waffen. Stich- oder Schusswaffen?“

Sash machte auf sich bemerkbar indem er gegen Asírs Ellenbogen stupste. Asír war noch damit beschäftigt, beiläufig über seinen linken Oberarm zu streichen. Dot befand sich der Sender, den man ihm eingepflanzt hatte, ein Sender, der jederzeit Signale aussendete, wo er sich befand. Schon seit längerem spielte Asír mit dem Gedanken, etwas dagegen zu unternehmen. Ein Sender musste doch Wellen auf einer bestimmten Frequenz übermitteln. Was, wenn er ein Störsignal senden würde und man ihn nicht mehr finden konnte? Er alleine würde es nicht schaffen, er war mehr der Experte für Computer, aber mit etwas Hilfe würde das doch zu schaffen sein…

Asír nickte Rafaéll dankend für den Themawechsel zu, antwortete knapp mit „Stichwaffen.“ Schusswaffen bevorzugte er in einer Form wie sie abgepackt in irgendeiner Behörde lagen…

„Sind sie Linkshänder?“ Asír sah Sash durchdringend an, dieser schien seine Geste bemerkt zu haben. „Nein“, stellte er schlicht fest.

Der Kellner kam zurück und brachte die neuen Bestellungen, dann nahm er das schmutzige Geschirr mit. Rafaéll lächelte still, fast mitleidig sah er Sash an. Dieser ließ nur ein „oh“ vernehmen, er zog seine Nase kraus. „Also kann man davon ausgehen, dass Sie damit auch umgehen können?“, erkundigte er sich.
„Sonst hätte ich ihn nicht eingestellt, Sash.“ Rafaéll goß erst sich seinen Eistee ein bevor er Asír Wasser nachschenkte. „und weil Herr Al'Anfa zuerst nach einem Schwert gegriffen hat“, er lächelte diesem trocken zu, „ein Zeichen von Professionalität wie bei dir.“

Wie bei Sash? Was hatte der junge Mann mit Waffen zu tun? War hinter der Beziehung dieser beiden mehr versteckt als nur das Verhältnis, das er vermutet hatte? A-Naaisha sah Jeccschalen fast trotzig an, bevor er zu Asír sagte: „Ich finde Schwerter oder Schwertkämpfe haben etwas animalische an sich.“ Er kam ins Schwärmen.

„Finden Sie? Ich finde, sie haben etwas Eleganteres an sich. Nicht, dass ich meine modernen Waffen nicht zu schätzen wüsste, gewiss nicht, aber alte Waffen üben einen völlig anderen Reiz aus…“ Asírs Augen funkelten als er zu erzählen begann, er konnte den kalten Griff seines Schwertes förmlich in den Händen spüren. „Aber es stimmt schon, dass es nicht gerade…zivilisiert ist, Leute mit dem Wurf eines Dolches zu begrüßen…“ Er sah Rafaéll scharf an. Schließlich hatte dieser ihn, kaum hatte er dessen Büro betreten, mit einem solchen attackiert.

„Es ist humaner einen Feind ins Auge zu sehen, bevor man ihn töten kann.“ Rafaéll hielt seinem Blick vollkommen ruhig stand., bevor er beiläufig einen schluck von seinem Eistee trank. „Ich bin der Meinung, dass es feiger ist einen Knopf zu betätigen um seinen Rivalen auszuschalten.“

Asír ahnte worauf das hinauslief. Rafaéll hörte ihn geschickt aus nach seiner Meinung über das Kämpfen…und das Töten. Der Fragende Blick des Mannes deutete auch darauf hin. Und dennoch konnte Asír es nicht verhindern, dass ein wissendes Lächeln auf seine Züge schlich. Wie oft hatte schon sein Opfer in den Lauf seines Phasers geschaut? Die wenigstens von ihnen waren ‚Rivalen’, meist kannte er die Leute nicht, nur ihren Namen und wo sie zu finden waren. „Es ist ehrbarer seinen Feind im Zweikampf zu stellen, ja, aber zu heutigen Zeiten ist es utopisch so zu kämpfen ohne sein leben zuerst auszuhauchen. Nicht, dass ich Erfahrung damit hätte…“ Eine reine Farce, Asír wusste das, Rafaéll wusste das und Sash ahnte es wohl ebenfalls. Aber es war heute in der Tat nicht mehr so, dass man sich heroisch Mann gegen Mann auf einem Schlachtfeld duellierte, das war vorbei. Seine Waffen waren programmiert jemanden auf die präziseste Weise überhaupt zu töten, ein gezielter Schuss und sein Opfer hatte sein Leben verwirkt. Fand Asír es schlimm, zu töten? Je länger er darüber nachdachte, desto mehr kam er zu dem Schluss- nein. Jeder musste sterben, irgendwann. Er verkürzte diese Zeit nur…

Rafaéll musterte Asír eine ganze Weile wortlos, bevor er schließlich nickte. „Nichts desto trotz bleibt es eine Form der Feigheit.“ A-Naaisha musterte die beiden interessiert, er schien nachzudenken. „Mussten Sie schon einmal töten Herr Al'Anfa?“, fragte er unvermittelt.

Eine schwierige Frage. Eine ehrliche Antwort konnte ihm Ärger bereiten aber eine Lüge würde ihm niemand glauben. „Glauben Sie das denn?“, fragte er nur.

„Keine Ahnung“, entgegnete Sash, „Rafaéll hat nichts erzählt was Sie betrifft.“ Er grinste spitzbübisch, als er ausplauderte: „Er sagte nur, dass er jemanden gefunden hat der stur genug ist um Problemen nicht aus dem Weg zu gehen, was bei ihm durchaus einem Kompliment gleichkommt.“

Rafaéll schien von seiner Sturheit ja sehr beeindruckt zu sein, stellte Asír trocken fest. Nun gut, besser einen solchen Eindruck als gar keinen zu hinterlassen… „Ich vermute, dass das der einzig positive Eindruck war, den ich hinterlassen habe…“ Er lächelte leicht. „Um auf ihre Frage zurückzukommen- ich denke, dass das nichts ist, über das man in der Öffentlichkeit reden sollte, wahr oder unwahr…“

„Ja, hier ist Tia'Raa, ein Planet für das pure Vergnügen.“ Sash räkelte sich auf seinem Stuhl, lachte Rafaéll zum wiederholten Male an.

„Oh ja, seid meiner Ankunft hier das reine Vergnügen…“, entgegnete Asír bitter.

„Man muss das Beste daraus machen...“ A-Naaisha legte seine Hand auf Rafaélls Oberarm. Wie es schien war es wirklich nicht das Schlechteste für den Jungen gewesen, dass er, warum auch immer, bei Jeccschalen gelandet war. Rafaéll tätschelte diesem über den Handrücken. „Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Ich hoffe, ich muss meine Entscheidung Sie eingestellt zu haben nicht bereuen…“, er lachte leise, „oder Sie werden es nicht bedauern, für einen Velaaner gearbeitet zu haben.“ War das eine Drohung? Asír entschied sich für ja, was seinen Unmut gegen seinen Auftraggeber wieder einmal schürte. Man brauchte Asír nicht zu drohen, er war absolut zuverlässig. Natürlich, wäre Asír an Jeccschalens Stelle, er hätte es wahrscheinlich nicht anders getan… Aber dennoch…er war nicht an seiner Stelle…“

"Ich wage zu bezweifeln, dass sie es bereuen werden. Ich verstehe mein Fach…" Asír beobachtete die beiden ganz genau. Es interessierte ihn, in welcher Beziehung die beiden zueinander standen.

„Tatsächlich ...“, murmelte Rafaéll leise. Doch Sashs Neugier schien Asír, mal wieder, geweckt zu haben. „Darf man fragen was genau Ihr Fach ist? Waffenexperte? Söldner - und genieren Sie sich nicht. Hier auf Tia'Raa kann man auch als Mörder mehr als reich und sehr angesehen sein.“ Er zwinkerte Asír leicht zu.

Asír lächelte geheimnisvoll. „Vielleicht alles zusammen?!“ Sash wusste wahrscheinlich nicht, wie ehrlich diese Antwort in Wirklichkeit war… „Waffen sind meine Leidenschaft und das einzig Gute, was dieser Planet gebracht hat, waren einige neue Exemplare…“

„Touché A-Naasiha.“ Asír sah Rafaéll zum ersten Mal wirklich auflachen. „Er hat wenigstens eine Beschäftigung…“ Sash schien beleidigt und versenkte den Blick in seinem Latte. Asír hörte auf. Nun, er hatte heute gelernt, das Dreistigkeit sich auszahlte, also erlaubte er sich zu fragen: „Ihr Liebhaber etwa nicht?“

Er war sich nicht sicher, was Jeccschalen mehr erzürnte, die Tatsache, dass Asír sie beide als Liebhaber bezeichnete oder dass er sich dreist nach seiner Beschäftigung erkundigte. Arm war der Mann nicht, das wusste er, denn sein Gehalt war nicht von schlechten Eltern, und er wusste, dass er als Diplomat tätig gewesen war…aber seid wann war das nicht mehr der Fall?

Rafaéll warf zuerst Sash, dann auch Asír einen wütenden Blick zu, bevor er ergeben die Augen schloss. Er sah wohl ein, dass es keinen Sinn machte, darauf einzugehen, denn er lenkte ein: „Sie werden also keinerlei Probleme damit haben, wenn sich die Ausstellung um ein weiteres Mal verlängert?“

„Nein, ich habe das bereits geklärt…“ //…auch wenn ich dafür jemandem einen Gefallen schuldig bin…// Teijyus hatte sich bereitwillig angeboten, für ihn die Schichten im Lacrima zu übernehmen solange er für Jeccschalen in der Ausstellung arbeitete. Was seine Revange anging…nun ja…das würde sich zeigen…er traute Teijyus mehr als Dean, Zamira und Dorê zusammen, er würde sich schon etwas nicht allzu schlimmes einfallen lassen…

„Was ist bereits geklärt? Welche illegalen Geschäfte laufen denn hier ab?“ Asír zuckte leicht zusammen, als er die ihm doch ziemlich bekannte Stimme hinter sich hörte. Niemand geringeres als Zamira stand hinter ihm, die Hände energisch in die Hüfte gestützt. „Tut mir leid, wie sind etwas zu spät.“ – „ETWAS?“ Dean schüttelte fassungslos den Kopf.

Das schien A-Naaisha wie auch Rafaéll ein Lachen zu entlocken. „Ihre Freunde…“, fragte Jeccschalen und Sash fügte hinzu: „…vor denen Sie uns gewarnt haben.“

„Gewarnt? Asír, schäm dich!“ Zarmia gab Asír einen leichten Schlag auf den Hinterkopf. „Glauben sie nichts von dem was er gesagt hat, er neigt zu Übertreibungen!“ Sie grinste die beiden Männer in ihrer unverhohlen dreisten Art an. „Willst du uns deinen freunden nicht vorstellen?“ Nein, von WOLLEN konnte Asír in diesem Zusammenhang nicht unbedingt sprechen… „Ich wusste nicht, dass Asír-sehf Freunde hat…“ Asírs Miene verfinsterte sich als auch noch Dorê sich erdreitstete sich einzumischen. Er beschloss, von seinem Einfluss auf den Jungen gebrauch zu machen und sah ihn mit eisigem Blick an. Sofort verstummte Dorê scheu.

„Beachten Sie sie einfach gar nicht, das ist normal…“ Teijyus schüttelte den Kopf. „Freunde sind Freunde“, kam mit einem Kopfneigen die Antwort.

„Wie wahr!“ Teijyus musterte Rafaéll und Sash verhalten, doch er behielt, diskret wie er wahr, seine Gedanken für sich. Zamira hingegen zog sich, unverfroren wie eh und je, einen Stuhl an den Tisch. „Hach, dann übernehme eben ich die vorstellungsrunde: Ich bin Zamira de’ la’ Marqu’itai und das sind Teijyus Jac’ral, Dean Kryll und Dôre Fahid.“ Sie grinste leicht. „„Asír scheinen sie ja schon zu kennen! Ich hoffe, sie mussten ihn nicht allzu lange ertragen? Er kann so muffig sein, wissen sie?“ – „Zamira!“ Asír schien sie mit Blicken erdolchen zu wollen. Er hätte das Weite suchen sollen, bevor die kleine Gruppe hier eintraf. Es war ihm nicht recht, dass Rafaéll diese Leute kennen lernte. „Was denn? Stimmt doch!“

„Muffig? Nein.“ Jeccschalen neigte leicht den Kopf vor Zamira, bevor er fortfuhr: „Ich nenne es eine gesunde Art Selbstschutz.“ Wusste Rafaéll, dass er mit diesem Satz in Asírs Achtung enorm gestiegen war? „Das ist A-Naaisha, eine sehr neugierige Persönlichkeit. Mein Name ist Rafaéll. Ich bin kurzzeitiger Arbeitgeber Ihres Freundes Al'Anfa.“

Teijyus lächelte wissend, doch Zamira konnte nicht an sich halten, platze heraus: „Sie sind also der Grund, weshalb wir weder Asír noch Teijyus zu Gesicht bekommen? Die armen Jungs schieben so viele Überstunden…“ Wieso hatte Asír jetzt keine Waffe dabei? Er sollte sich angewöhnen, einen Dolch im Stiefel zu tragen, er hätte ihr jetzt liebend gerne ein Messer in die Brust gerammt. „Gut so…“, kommentierte nun auch noch Dorê trocken, „habe ich die Wohnung für mich…“

Asírs Augen funkelten als er ihn böse ansah. „Du hast bald nichts mehr, wenn du nicht still bist…“ Und diese Drohung war sein vollkommener Ernst. Dorê würde schneller auf der Straße landen als er seinen Namen rufen konnte…

„Ah ja?“ A-Naaisha grinste in Zamiras Richtung, „Herr Jac'ral arbeitet auch für meinen Schönen? Das ist interessant.“ Was Jeccschalen murmelte verstand Asír nicht, unsicher, ob er sich darüber freuen sollte oder nicht. Er deutete auf die freien Plätze, bot den „Freunden“ Asírs an: „Bitte, setzten Sie sich doch...“

„Oh, nein, ich übernehme nur Asír’s Schichten.“ Der gute Teijyus. Wohlwollend bemerkte Asír, dass er der einzige wahr, der sich im Zaum hielt und versuchte, den Schaden möglichst gering zu halten, zu Asírs Gunsten.

Rafaéll musterte sie schweigend, während Sash zu ihm aufrückte. Dieser verstaunte seinen Laptop und die Pads vor den neugierigen Augen der Gruppe, zurecht, wie Asír fand. Deshalb lag bei ihm in der Wohnung nie etwas herum, dass von wert sein konnte…

Zamira bemerkte den Laptop, schüttelte missbilligend den Kopf. „An einem so schönen Tag wollen Sie arbeiten mit einem so hübschen jungen Mann an ihrer Seite?“, schimpfte sie strafend. Das veranlasste Asír nun doch zu einem schwachen Lächeln, wie es schien war er nicht der Einzige, der bemerkte, dass Sash wohl kein entfernter Verwandter Jeccschalens war. Auch die Anderen setzten sich zu ihnen, nachdem alle ein wenig aufgerückt waren.

Sash ließ einen wohligen Seufzer hören und zwinkerte Jeccschalen zu. „Lerne.“ Er wandte sich wieder Asír zu: „Könnten Sie wieder nach dem Kellner rufen?“ Als ihm Asírs finstere, ja…Miene (konnte der man diese überhaupt erkennen?) wahrnahm, fügte er noch ein „bitte“ hinzu.

„Keine sorge, ich mache das!“ Zamira lachte und sprang energisch auf um den Kellner doch recht…lautstark zu rufen. Ihr auffälliges Äußeres, ihre Kleider waren wie immer kürzer als es zuträglich war, tat noch ihr übriges, dass man nicht umhin kam, sie zu bemerken.

Asír bemerkte amüsiert, dass Rafaéll unter der hohen Tonlage der jungen Frau leicht zusammenzuckte. Zu Recht, wie er fand. Dass er noch keinen Hörsturz hatte schrieb er einem kleinen Wunder zu. Rafaéll bedeutete dem Kellner, dass er nichts mehr wollte, bevor er Sash fragend ansah. „Du wolltest noch in den Bazar, schon vergessen?“ Er lehnte sich erneut in seinem Sessel zurück, bevor er Zamira fragte: „Sie leben auch hier?“

„Oh, ja, ein herrlicher Planet, finden sie nicht?!“ Asír konnte es sich nicht verkneifen, mit den Augen zu rollen. Er lächelte Rafaéll schwach an, wissend, dass dieser wohl seiner Meinung war, dass dieser Planet keineswegs so unschuldig und harmonisch war, wie er es nach außen vorgab… „Sie wollen noch auf den Bazar? Herrlich, sag ich ihnen! Es ist schon viel zu lange her, dass ich nicht mehr dort war…“ Zamiras seufzte herzhaft.

„Zu gegebener Zeit wird es mir eine Ehre sein, sie dorthin einzuladen…“ Jeccschalen schien sich seinen kühlen Verstand und seine höfliche Art wohl in jeder Lebenslage bewahren zu können. Er fuhr fort: „aber sie haben doch täglich die Möglichkeit, den Bazar zu besuchen. Ich dagegen bin nur ein geduldeter Gast auf Tia'Raa.“

Nur ein geduldeter Gast? Asír horchte auf. Er lebte also nicht fest hier? Das war ihm allerdings neu, wie es schien konnte er also Velaa noch immer seine Heimat nennen?

„Ein geduldeter gast?“ Zamira ließ ein lautes Lachen vernehmen. „Was haben sei verbrochen, dass sie dort geduldet werden müssen?“ - „Ich bin Geschäftsmann und unabhängig. Das alleine reicht schon.“ Der Blick, der Asír traf, sprach Bände…

„Wirklich! Interessant, ein Geschäftsmann! Und gut aussehend noch dazu!“ Mit einem Grinsen auf dem jungen Gesicht riet sie Sash: „Halten sie sich diesen Mann warm, da haben sie ja einen echten Glückstreffer gelandet!“ Erneut verrollte Asír die Augen. „Etwas mehr Taktgefühl, bitte, Zamira…“ Es war kein Grund so auf dieser Sache herumzureiten. Zamira sollte sich gefälligst Zügeln, Diskretion war bei Asír großgeschrieben. Doch seine strafenden Worte entlockten ihr nur ein Lachen. „Und das von DIR? Du hast doch das Feingefühl eines Kühlschrankes!“

Auch A-Naaisha musste auflachen. „Oh. Eisschränke sind meine Spezialität. Vor allem die hübsche Ausführung.“ Er ungeniertes Grinsen traf Asír.

„Wirklich?“ Scherzhaft und mit einem Lachen sagte Zamira zu Rafaéll: „Sie haben nicht für, ihren Freund für kurze Zeit zu verleihen, oder? Bisher hat noch keiner es geschafft, diesen Eisschrank aufzutauen, ein versuch wäre es wert!“ Sie schlug Asír kollegial auf die Schulter, doch allein eine solche Geste reichte um Asírs Drang Zamira zu erdolchen ins unermessliche zu steigern.

Doch er wurde abgelenkt als er bemerkte, wie sich die Gesichtszüge Sashs veränderten. Was war es, was er darin lesen konnte? Ernst? Ja, fast Angst? „Versuche haben nur einen Grund, die Neugierde zu stillen Zamira - ich hoffe, ich darf Sie so nennen. Und meine Interessen gehen nicht in diese Richtung. Außerdem“, Jeccschalen sah Sash lächelnd an, „will ich ihn nicht zu etwas zwingen, was er im Grunde nicht will.“

Das ließ Asír umso mehr aufhorchen. Wie war das? Hatte er diese Möglichkeit etwa allen Ernstes in Erwägung gezogen? Bedeutete das, dass Sash…? Das warf nun wieder ein völlig anderes Bild auf die Beziehung dieser beiden… „Oh, ich bin sicher, dass Zamira es nicht auf diese Art und weise meinte…“, warf er jedoch entschuldigend ein, Feingefühl war in einer solcher Angelegenheit durchaus angebracht. „Eigentlich bedauerlich…Wir haben uns Asír bereits die Zähne ausgebissen…“, warf Zamira versöhnlich ein, sie bestätigte die Namensfrage mit einem Kopfnicken.

„Gut.“ Rafaéll bedachte Asír mit einem Blick, bevor er sich erhob. „Sash. Wenn du noch in den Bazar willst, sollten wir jetzt gehen.“ Der Blinde schien ungewöhnlich ernst geworden zu sein, es schien wohl tiefer zu sitzen als er erwartet hatte… Rafaéll dirigierte den jungen Mann durch sanfte Gesten auf den richtigen Weg. Er sagte zu Zamira: „Wäre das nicht für Sie eine Herausforderung sich zu verleihen, schöne Frau?“ Sash tastete nach Rafaélls Arm, hakte sich bei diesem unter. Er fand wieder zu seinem Grinsen zurück.

„Oh, nein, ich denke nicht!“, entgegnete Zamira lachend. „Nun, ich wünsche ihnen viel Spaß auf dem Bazar!“ Asír jedoch erhob sich und er ließ sich zu einer Geste verleiten, die wohl mehr über seine Herkunft verriet als jedes gesprochene Wort. Er führte seine hand zu seiner Stirn, seinen Lippen und seiner Brust, während er sich leicht verneigte, eine Geste, die für gewöhnlich nur andreijanischen Adligen zustand. Dazu sprach er ein paar der wenigen Worte, die er noch auf velaanisch beherrschte: „Slan malach.“

“Gwelfech alwynn kash ecan Asír-Nez.”, kam es von Jeccschalen, er neigte leicht den Kopf, bevor er schlicht fort fuhr, „ und Ihnen allen noch einen angenehmen Tag.“ Asír kramte seine letzten Velaanischkenntnisse zusammen und übersetzte sich selbst: //Den gleichen und sicheren Weg auch Ihnen, junger Asír//




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