| Sandra ( @ 2006-06-25 21:00:00 |
| Entry tags: | krimi, roman |
Patrick Süskind - Das Parfum
Titel: Das Parfum
Autor: Patrick Süskind
Genre: Krimi
Verlag: Diogenes (320 Seiten)
Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille, und wenn sein Name im Gegensatz zu den Namen anderer genialer Scheusale, wie etwa de Sades, Saint-Justs, Fouchés, Bonapartes usw., heute in Vergessenheit geraten ist, so sicher nicht deshalb, weil Grenouille diesen berühmteren Finstermännern an Selbstüberhebung, Menschenverachtung, Immoralität, kurz an Gottlosigkeit nachgestanden hätte, sondern weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein Gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterlässt: auf das flüchtige Reich der Gerüche.
Was geschieht mit Menschen, die ohne Familie, ohne Freunde und ohne Liebe aufwachsen müssen? Sie lernen, damit zurechtzukommen, darüber hinwegzukommen oder in ihrem Leben umso mehr Liebe zu geben.
Oder sie werden zum kaltblütigsten Mörder, den Frankreich je gesehen hat.
Letzteres passiert mit Jean-Baptiste Grenouille, Protagonist des Meisterwerks „Das Parfum“ von Patrick Süskind.
Doch bevor Jean-Baptiste eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt, muss er seiner einzigen Leidenschaft nachgehen und die Welt der Gerüche professionell erforschen.
Er überlebt unter menschenunwürdigsten Zuständen seine Zeit als Hilfsarbeiter, absolviert eine Lehre als Parfumeur und begibt sich anschließend auf die Reise in die Stadt der Düfte – nach Grasse. Zwischenstation auf seinem Weg ist eine Höhle weitab jeglicher Zivilisation. Mit tausenden Gerüchen in der Erinnerung, eingeordnet in imaginäre Regale und mindestens genauso vielen Ingredienzien, niedergeschrieben nur in seiner Vorstellung, taucht er ein in eine Phantasiewelt, zu der nur er Zutritt hat, und die ihn unter animalischen Bedingungen überleben lässt. Jahre später in Grasse angekommen, beginnt er sein Lebenswerk – die Herstellung des einen, alles überbietenden Duftes, ohne Rücksicht auf Verluste.
Der Untertitel „Die Geschichte eines Mörders“ ist Programm in Süskinds Werk. Die Gedankengänge und Taten der Hauptfigur sind für rational denkende Menschen nicht nachvollziehbar und doch erscheint Jean-Baptiste als intelligent und fähig zur Reflexion.
Wer auf abgedrehte und weltenthobene Krimis steht, sollte sich diesen nicht entgehen lassen.
Ob die filmische Adaption da mithalten kann?
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