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  <title>aufruf des gesamten</title>
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    <title>akatelektisch @ 2008-03-01T15:26:00</title>
    <published>2008-03-01T14:32:15Z</published>
    <updated>2008-03-01T14:32:15Z</updated>
    <content type="html">Der kunstvolle Holzrahmen wies den Spiegel als teures, antikes Stück aus; das Glas zeigte nach dem Polieren nicht den kleinsten blinden Fleck. Der Spiegel war weder verzogen noch verkratzt und gab mein Bild vom Scheitel bis zur Sohle getreulich wieder. Ich blieb eine Weile davor stehen und betrachtete mein Spiegelbild. Nichts Auffälliges. Ich war ich, und das eher gelangweilte Gesicht war das, das ich immer machte. Nur, dem Bild im Spiegel fehlte an Flachheit, wie sie Spiegelbildern sonst eigen ist, es war zu klar, beinahe dreidimensional. Ich hatte eher den Eindruck, daß nicht ich mein Spiegelbild betrachtete, sondern daß das Bild im Spiegel mein wahres Ich sei, betrachtet von einem flachen Abbild meiner selbst. Ich hob den rechten Arm und wischte mir mit dem Handrücken über den Mund. Mein Ich im Spiegel tat dasselbe. Oder hatte ich nur eine vom dem Ich im Spiegel ausgeführte Bewegung nachgemacht? Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich mir wirklich selbst und aus freiem Willen mit dem Handrücken über den Mund gewicht hatte.&lt;br /&gt;"Freier Wille" – mit diesem Wort im Kopf fasste ich mir mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand ans Ohr. Mein Ich im Spiegel tat dasselbe. Er schien das gleiche Wort im Kopf zu haben – "Freier Wille".&lt;br /&gt;Ich hatte genug und ging vom Spiegel weg. Das Ich im Spiegel ging auch vom Spiegel weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Murakami Haruki, Wilde Schafsjagd&lt;/i&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2008-02-03T16:56:00</title>
    <published>2008-02-03T15:57:06Z</published>
    <updated>2008-02-03T15:57:06Z</updated>
    <content type="html">&lt;small&gt;&lt;br /&gt;Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bißchen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.&lt;br /&gt;Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, daß einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunder kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen - je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt.&lt;br /&gt;Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a name="cutid1"&gt;&lt;/a&gt;(...)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er blickte Momo lange an, dann fragte er: "Möchtest du sehen, wo die Zeit herkommt?"&lt;br /&gt;"Ja", flüsterte sie.&lt;br /&gt;"Ich werde dich hinführen", sagte Meister Hora. "Aber an jenem Ort muss man schweigen. Man darf nichts fragen und nichts sagen. Versprichst du mir das?"&lt;br /&gt;Momo nickte stumm.&lt;br /&gt;Da beugte Meister Hora sich zu ihr herunter, hob sie hoch und nahm sie fest in seine Arme. Er schien ihr auf einmal sehr groß und unaussprechlich alt, aber nicht wie ein alter Mann, sondern wie ein uralter Baum oder wie ein Felsenberg. Dann deckte er ihr mit der Hand die Augen zu und es fühl­te sich an wie leichter, kühler Schnee, der auf ihr Gesicht fiel.&lt;br /&gt;Momo war es, als ob Meister Hora mit ihr durch einen lan­gen dunklen Gang schritte. Aber sie fühlte sich ganz gebor­gen und hatte keine Angst. Anfangs meinte sie das Pochen ihres eigenen Herzens zu hören, aber dann schien es ihr mehr und mehr, als sei es in Wirklichkeit der Widerhall von Meister Horas Schritten.&lt;br /&gt;Es war ein langer Weg, aber schließlich setzte er Momo ab. Sein Gesicht war nahe vor dem ihren, er blickte sie groß an und hatte den Finger an die Lippen gelegt. Dann richtete er sich auf und trat zurück.&lt;br /&gt;Goldene Dämmerung umgab sie.&lt;br /&gt;Nach und nach erkannte Momo, dass sie unter einer gewaltigen, vollkommen runden Kuppel stand, die ihr so groß schien wie das ganze Himmelsgewölbe. Und diese rie­sige Kuppel war aus reinstem Gold. Hoch oben in der Mitte war eine kreisrunde Öffnung, durch die eine Säule von Licht senkrecht herniederfiel auf einen ebenso kreisrunden Teich,&lt;br /&gt;dessen schwarzes Wasser glatt und reglos lag wie ein dunkler Spiegel.&lt;br /&gt;Dicht über dem Wasser funkelte etwas in der Lichtsäule wie ein heller Stern. Es bewegte sich mit majestätischer Lang­samkeit dahin und Momo erkannte ein ungeheures Pendel, welches über dem schwarzen Spiegel hin- und zurück­schwang. Aber es war nirgends aufgehängt. Es schwebte und schien ohne Schwere zu sein.&lt;br /&gt;Als das Sternenpendel sich nun langsam immer mehr dem Rande des Teiches näherte, tauchte dort aus dem dunklen Wasser eine große Blütenknospe auf. Je näher das Pendel kam, desto weiter öffnete sie sich, bis sie schließlich voll erblüht auf dem Wasserspiegel lag.&lt;br /&gt;Es war eine Blüte von solcher Herrlichkeit, wie Momo noch nie zuvor eine gesehen hatte. Sie schien aus nichts als leuchtenden Farben zu bestehen. Momo hatte nie geahnt, dass es diese Farben überhaupt gab.&lt;br /&gt;Das Sternenpendel hielt eine Weile über der Blüte an und Momo versank ganz und gar in den Anblick und vergaß alles um sich her. Der Duft allein schien ihr wie etwas, wonach sie sich immer gesehnt hatte ohne zu wissen, was es war.&lt;br /&gt;Doch dann schwang das Pendel langsam, langsam wieder zurück. Und während es sich ganz allmählich entfernte, gewahrte Momo zu ihrer Bestürzung, dass die herrliche Blüte anfing zu verwelken. Ein Blatt nach dem anderen löste sich und versank in der dunklen Tiefe. Momo empfand es so schmerzlich, als ob etwas Unwiederbringliches für immer von ihr fortginge.&lt;br /&gt;Als das Pendel über der Mitte des schwarzen Teiches ange­kommen war, hatte die herrliche Blüte sich vollkommen auf­gelöst. Gleichzeitig aber begann auf der gegenüberliegenden Seite eine Knospe aus dem dunklen Wasser aufzusteigen. Und als das Pendel sich dieser nun langsam näherte, sah Momo, dass es eine noch viel herrlichere Blüte war, die da aufzubrechen begann. Das Kind ging um den Teich herum, um sie aus der Nähe zu betrachten.&lt;br /&gt;Sie war ganz und gar anders als die vorhergehende Blüte. Auch ihre Farben hatte Momo noch nie zuvor gesehen, aber es schien ihr, als sei diese hier noch viel reicher und kostba­rer. Sie duftete ganz anders, viel herrlicher und je länger Momo sie betrachtete, umso mehr wundervolle Einzelheiten entdeckte sie.&lt;br /&gt;Aber wieder kehrte das Sternenpendel um und die Herr­lichkeit verging und löste sich auf und versank, Blatt für Blatt, in den unergründlichen Tiefen des schwarzen Teiches.&lt;br /&gt;Langsam, langsam wanderte das Pendel zurück auf die Gegenseite, aber es erreichte nun nicht mehr dieselbe Stelle wie vorher, sondern es war um ein kleines Stück weitergewan­dert. Und dort, einen Schritt neben der ersten Stelle, begann abermals eine Knospe aufzusteigen und sich allmählich zu entfalten.&lt;br /&gt;Diese Blüte war nun die allerschönste, wie es Momo schien. Dies war die Blüte aller Blüten, ein einziges Wun­der!&lt;br /&gt;Momo hätte am liebsten laut geweint, als sie sehen muss­te, dass auch diese Vollkommenheit anfing hinzuwelken und in den dunklen Tiefen zu versinken. Aber sie erinnerte sich an das Versprechen, das sie Meister Hora gegeben hatte, und schwieg still.&lt;br /&gt;Auch auf der Gegenseite war das Pendel nun einen Schritt&lt;br /&gt;weiter gewandert und eine neue Blume stieg aus den dunk­len Wassern auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allmählich begriff Momo, dass jede neue Blume immer ganz anders war als alle vorherigen und dass ihr jeweils diejenige, die gerade blühte, die allerschönste zu sein schien.&lt;br /&gt;Immer rund um den Teich wandernd, schaute sie zu, wie Blüte um Blüte entstand und wieder verging. Und es war ihr, als könne sie dieses Schauspiels niemals müde werden.&lt;br /&gt;Aber nach und nach wurde sie gewahr, dass hier immer­während noch etwas anderes vorging, etwas, das sie bisher nicht bemerkt hatte.&lt;br /&gt;Die Lichtsäule, die aus der Mitte der Kuppel hernieder­strahlte, war nicht nur zu sehen - Momo begann sie nun auch zu hören!&lt;br /&gt;Anfangs war es wie ein Rauschen, so wie von Wind, den man fern in den Wipfeln der Bäume hört. Aber dann wurde das Brausen mächtiger, bis es dem eines Wasserfalls glich oder dem Donnern der Meereswogen gegen eine Felsen­küste.&lt;br /&gt;Und Momo vernahm immer deutlicher, dass dieses Tosen aus unzähligen Klängen bestand, die sich untereinander stän­dig neu ordneten, sich wandelten und immerfort andere Har­monien bildeten. Es war Musik und war doch zugleich etwas ganz anderes. Und plötzlich erkannte Momo sie wieder: Es war die Musik, die sie manchmal leise und wie von fern gehörte hatte, wenn sie unter dem funkelnden Sternenhim­mel der Stille lauschte.&lt;br /&gt;Aber nun wurden die Klänge immer klarer und strahlen­der. Momo ahnte, dass dieses klingende Licht es war, das jede der Blüten in anderer, jede in einmaliger und unwiederhol­barer Gestalt aus den Tiefen des dunklen Wassers hervorrief und bildete. Je länger sie zuhörte, desto deutlicher konnte sie einzelne Stimmen unterscheiden.&lt;br /&gt;Aber es waren keine menschlichen Stimmen, sondern es klang, als ob Gold und Silber und alle anderen Metalle san­gen. Und dann tauchten, gleichsam dahinter, Stimmen ganz anderer Art auf, Stimmen aus undenkbaren Fernen und von unbeschreibbarer Mächtigkeit. Immer deutlicher wurden sie, sodass Momo nun nach und nach Worte hörte, Worte einer Sprache, die sie noch nie vernommen hatte und die sie doch verstand. Es waren Sonne und Mond und die Planeten und alle Sterne, die ihre eigenen, ihre wirklichen Namen offen­barten. Und in diesen Namen lag beschlossen, was sie tun und wie sie alle zusammenwirken, um jede einzelne dieser Stunden-Blumen entstehen und wieder vergehen zu lassen.&lt;br /&gt;Und auf einmal begriff Momo, dass alle diese Worte an sie gerichtet waren! Die ganze Welt bis hinaus zu den fernsten Sternen war ihr zugewandt wie ein einziges, unausdenkbar großes Gesicht, das sie anblickte und zu ihr redete!&lt;br /&gt;Und es überkam sie etwas, das größer war als Angst.&lt;br /&gt;In diesem Augenblick sah sie Meister Hora, der ihr schwei­gend mit der Hand winkte. Sie stürzte auf ihn zu, er nahm sie auf den Arm und sie verbarg ihr Gesicht an seiner Brust. Wieder legten sich seine Hände schneeleise auf ihre Augen und es wurde dunkel und still und sie fühlte sich geborgen. Er ging mit ihr den langen Gang zurück.&lt;br /&gt;Als sie wieder in dem kleinen Zimmer zwischen den Uhren waren, bettete er sie auf das zierliche Sofa. "Meister Hora", flüsterte Momo, "ich hab nie gewusst, dass&lt;br /&gt;die Zeit aller Menschen so ..." - sie suchte nach dem richti­gen Wort und konnte es nicht finden - "so groß ist", sagte sie schließlich.&lt;br /&gt;"Was du gesehen und gehört hast, Momo", antwortete Meister Hora, "das war nicht die Zeit aller Menschen. Es war nur deine eigene Zeit. In jedem Menschen gibt es diesen Ort, an dem du eben warst. Aber dort hinkommen kann nur, wer sich von mir tragen lässt. Und mit gewöhnlichen Augen kann man ihn nicht sehen."&lt;br /&gt;"Aber wo war ich denn?"&lt;br /&gt;"In deinem eigenen Herzen", sagte Meister Hora und strich ihr sanft über ihr struppiges Haar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;i&gt;Michael Ende, Momo&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2008-01-02T17:40:00</title>
    <published>2008-01-02T16:43:19Z</published>
    <updated>2008-01-02T16:43:19Z</updated>
    <content type="html">&lt;small&gt;Häufig, wenn ich heimkam, war Colette noch wach und strich in dem lächerlichen japanischen Hänger herum, den Carl für sie in einem Basar aufgegabelt hatte. Irgendwie schienen wir nie das Geld aufbringen zu können, um ihr einen Pyjama zu kaufen. Gewöhnlich war sie gerade dabei, eine Kleinigkeit zu essen, wenn ich nach Hause kam. Das arme Ding versuchte sich damit wachzuhalten, um Carl zu begrüßen, wenn er von der Arbeit kam. Ich setzte mich zu ihr und aß auch einen Bissen. Unsere Unterhaltung war ziellos. Nie hatte sie etwas zu sagen, was des Zuhörens wert gewesen wäre. Sie hatte keine Sehnsüchte, keine Träume, keine Wünsche. Sie war so gutmütig wie eine Kuh, fügsam wie eine Sklavin, reizvoll wie eine Puppe. Sie war nicht dumm, sie war blöde. Blöde wie ein Tier.&lt;br /&gt;Nys dagegen war keineswegs unintelligent. Träge, ja. Träge wie die Sünde. Alles, worüber Nys sprach, war interessant, selbst wenn sie über nichts sprach. Eine Gabe, die ich weit höher schätze als die Fähigkeit, gescheit daherzureden. Im Grunde gebe ich einem solchen Gespräch entschieden den Vorzug. Es ist ein Beitrag zum Leben, während die andere Art, das intellektuelle Geschwätz, einem die Kraft abzapft, alles steril, nichtig und sinnlos macht. Aber Colette hatte, wie gesagt, nur den dumpfen Verstand eines Kälbchens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Henry Miller, Stille Tage in Clichy&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2007-12-21T17:31:00</title>
    <published>2007-12-21T16:33:17Z</published>
    <updated>2007-12-21T16:33:17Z</updated>
    <content type="html">&lt;small&gt;&lt;br /&gt;"Du hattest ein Bild vom Leben in dir, einen Glauben, eine Forderung, du warst zu Taten, Leiden und Opfern bereit - und dann merktest du allmählich, daß die Welt gar keine Taten und Opfer und dergleichen von dir verlangt, daß das Leben keine heroische Dichtung ist, mit Heldenrollen und dergleichen, sondern eine bürgerliche gute Stube, wo man mit Essen und Trinken, Kaffee und Strickstrumpf, Tarockspiel und Radiomusik vollkommnen zufrieden ist. Und wer das andere will und in sich hat, das Heldenhafte und Schöne, die Verehrung der großen dichter oder die Verehrung der Heiligen, der ist ein Narr und ein Ritter Don Quichotte. Gut. Und mir ist es ebenso gegangen, mein Freund! Ich war ein Mädchen von guten Gaben und dafür bestimmt, nach einem hohen Vorbild zu leben, hohe Forderungen an mich zu stellen, würdige Aufgaben zu erfüllen . Ich konnte ein großes Los auf mich nehmen, die Frau einens Königs sein, die Geliebte eines Revolutionärs, die Schwester eines Genies, die Mutter eines Märtyrers. Und das Leben hat mir nur eben erlaubt, eine Kurtisane von leidlich gutem Geschmack zu werden - schon das ist mir schwer genug gemacht worden! So ist es mir ergangen. Ich war eine Weile trostlos, und ich habe lange Zeit die Schuld an mir selbst gesucht. Das Leben, dachte ich , muß doch schließlich immer recht haben, und wenn das Leben meine schönen Träume verhöhnte, so dachte ich, es werden eben meine Träume dumm gewesen sein und unrecht gehabt haben. Aber das half gar nichts. Und weil ich gute Augen und Ohren hatte und auch etwas neugierig war, sah ich mir das sogenannte Leben recht genau an, meine Bekannten und Nachbarn, fünfzig und mehr Menschen und Schicksale, und da sah ich, Harry: meine Träume hatten recht gehabt, tausendmal recht, ebenso wie deine. Das Leben aber, die Wirklichkeit, hatte unrecht.&lt;br /&gt;[...]&lt;br /&gt;Recht hast du, tausendmal recht, und doch mußt du untergehen. Du bist für diese einfache, bequeme, mit so wenigem zufriedene Welt von heute viel zu anspuchsvoll und hungrig, sie speit dich aus, du hast für sie eine Dimension zuviel. Wer heute leben und seines Lebens froh werden will, der darf kein Mensch sein wie du und ich. Wer statt Gedudel Musik, statt Vergnügen Freude, statt Geld Seele, statt Betrieb echte Arbeit, statt Spielerei echte Leidenschaft verlangt, für den ist diese hübsche Welt hier keine Heimat..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Hermann Hesse, Der Steppenwolf&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2007-12-17T23:49:00</title>
    <published>2007-12-17T22:50:29Z</published>
    <updated>2007-12-17T22:50:29Z</updated>
    <content type="html">we are not with you anymore.&lt;br /&gt;it is much later on, now.&lt;br /&gt;please, take your breath, for breath is what you require - oxygen, light and water. and time. but not us. we are no longer with you. we are no longer a part of the living. the birds are here with us now - this is where they went. and the fish in the sea - and the plants and all of god's fine animals.&lt;br /&gt;it's cooler here, too, and it is quiet. and we are changed souls; we don't look at things the same way anymore. for there was once a time when we expected the worst. but then the worst happened, did it not?&lt;br /&gt;and so we will never be surprised ever again.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-douglas coupland, life after god</content>
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    <title>akatelektisch @ 2007-11-20T16:58:00</title>
    <published>2007-11-20T15:59:26Z</published>
    <updated>2007-11-20T15:59:26Z</updated>
    <content type="html">Vor der Küste Amerikas, nicht weit von der Bären- und der Glücksinsel mit ihren häufigen Erdbeben, liegt die Zufallsinsel, auf der alles dem Zufall überlassen zu sein scheint. Die Natur befindet sich noch im kindlichen Zustand des Experimentierens und gebiert alle möglichen Ungeheuer. Die Menschen werden mit Hufen anstelle von Händen geboren. Man hält sie für nicht klüger als Pferde und läßt sie auf den Feldern grasen. Pferde dagegen kommen mit menschlichen Händen auf die Welt und haben Werkstätten und Schneiderateliers eingerichtet. Sie können auch Musikinstrumente spielen, da der Zufall ihnen die Glieder verliehen hat, die in anderen Ländern die menschliche Überlegenheit garantieren.&lt;br /&gt;Ein Forst im Süden der Insel ist von einer neuen Tierart bewohnt, deren Körper eine Zufallskombination von Organen darstellen - zwei oder acht Finger, einen senkrechten Mund, Augen am Hinterkopf, alles bunt durcheinander. Alle Tiere vermehren sich mit unberechenbarer Geschwindigkeit. In manchen Jahren gibt es zu viele Krokodile, dann wieder einen Mangel an Haustieren. Man glaubt allerdings, daß der Zufall schließlich zu einer vollkommenen Welt führen wird, in der alle Tiere sprechen können; als Vorbereitung bringen Lehrer unter Verwendung der Zeichensprache den Tieren bereits das Lesen und Schreiben bei.&lt;br /&gt;Besuchern wird ein Spiel gefallen, bei dem mehrere achtseitige Würfel, mit Buchstaben auf jeder Seite, in einen Würfelbecher gelegt, geschüttelt und geworfen werden. Gewinner ist, wer durch Zufall die größte Anzahl an Wörtern und Sätzen bildet. 1789 fiel der Würfelbecher durch ein Erdbeben um; die Buchstaben auf den Würfeln bildeten die Ansprache Ludwigs XVI. an die Generalstände.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Alberto Manguel, Gianni Guadalupi: Von Atlantis bis Utopia&lt;/i&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2007-06-24T00:22:00</title>
    <published>2007-06-23T22:29:43Z</published>
    <updated>2007-06-24T10:38:31Z</updated>
    <content type="html">ich als demotivierter betreiber dieser ehemals schönen community&lt;br /&gt;möchte auf folgende wirklich wunderbare seite hinweisen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.der-goldene-fisch.de/gf.php/texte"&gt;http://www.der-goldene-fisch.de/gf.php/texte&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;---	&lt;br /&gt;Bsp.:&lt;br /&gt;Löve Höper&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protectas GmbH&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mann machte seinen Job mit herzerfrischender Fröhlichkeit. Er sei gekommen um zu ernten, sagte er und ließ den Greifer ein paar Mal auf und zu schnappen.&lt;br /&gt;Es war nicht zu erkennen, ob die Taube nicht von dem Netz hatte auffliegen können oder wollen.&lt;br /&gt;Ihren Jungen, die auch nach Abwurf zweier Rauchbomben nicht geflohen waren und nun in der, ihrer eigenen Scheiße saßen, brach er kurz und knapp das Genick. Da hätten wir alle mehr von, rief er vom Grund des Lichtschachts und meinte damit auch die Tauben. &lt;br /&gt;----&lt;br /&gt;hoffe, es stösst auf interesse.</content>
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      <name>das korrekte Personalpronomen ist "er", danke</name>
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    <title>Axel Hacke - Deutschlandalbum</title>
    <published>2007-04-01T14:45:06Z</published>
    <updated>2007-04-01T14:46:00Z</updated>
    <content type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;“Wie abgestumpft man war!”, sagt er. Wir schauen auf den Todesstreifen. Plötzlich hat er Tränen in den Augen. Er macht hier oft Führungen für junge Leute. “Manchmal muß ich mich umdrehen, da muß ich weinen. Da unten wurden Menschen abgeschossen wie Hasen, gleich neben uns.” Seine Stimme wird laut: “Und ich kann den jungen Leuten nicht sagen: Die Welt ist schön. Das kann ich nicht.”&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p align="right"&gt;&lt;small&gt;Fischer Verlag, 2004&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;</content>
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      <name>This Godless Endeavor</name>
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    <title>nur mit den Augen kennen</title>
    <published>2007-01-27T20:12:27Z</published>
    <updated>2007-01-27T20:12:27Z</updated>
    <content type="html">"Seltsamer, heikler ist nichts als das Verhältnis von Menschen, die sich nur mit den Augen kennen,- die täglich, ja stündlich einander begegnen, beobachten und dabei den Schein gleichgültiger Fremdheit grußlos und wortlos aufrecht zu halten durch Sittenzwang oder eigene Grille genötigt sind. Zwischen ihnen ist Unruhe und überreizte Neugier, die Hysterie eines unbefriedigten, unnatürlich unterdrückten Erkenntnis-und Austauschbedürfnisses und namentlich auch eine Art von gespannter Achtung. Denn der Mensch liebt und ehrt den Menschen, so lange er ihn nicht zu beurteilen vermag, und die Sehnsucht ist ein Erzeugnis mangelhafter Erkenntnis."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;- Tod in Venedig, Thomas Mann</content>
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      <name>Dorothee Weiher</name>
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    <title>Zsuzsa Bánk - Herz</title>
    <published>2006-12-12T15:51:50Z</published>
    <updated>2006-12-19T11:27:59Z</updated>
    <content type="html">&lt;i&gt;"denkst du, du hast genug zeit?"&lt;br /&gt;"ja, das denke ich"&lt;br /&gt;"das ist gut" sagte vince und strich sein haar zurück.&lt;br /&gt;er blieb eine weile stehen und wir schauten uns an, ohne etwas zu sagen. jemand lief durch den hausflur und öffnete einen briefkasten.&lt;br /&gt;"da ist post gekommen" sagte vince.&lt;br /&gt;"ja, jemand hat einen brief bekommen" erwiderte ich.&lt;br /&gt;als ich hörte, wie vince unten die haustür ins schloss fallen ließ, stürzte ich zum fenster und sah ihm hinterher. er ging die straße hinunter, hob die hand und winkte mir, ohne sich umzudrehen. er wusste, dass ich ihm nachschaute. ich begann kleider aus dem schrank zu zerren und wieder zurückzulegen, rechnete aus, wie lange ich wegbleiben konnte, und stellte mir vor, wohin vince mich bringen würde. nachts setzte ich mich ins küchenfenster mit blick zum hof und sah dabei zu, wie die lichter nacheinander ausgingen. ich wartete, bis alle geräusche im haus verstummt waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wir verbrachten sieben tage miteinander. nur wenn uns die erschöpfung erwischte, schliefen wir. wir hielten uns wach. es tat weh, die augen zu schließen. "wir machen es wie die indianer" sagte vince "zwanzig minuten schlaf und nicht mehr." es reichte uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;wir waren in richtung nordosten gefahren, hatten das auto im feld abgestellt und auf den rücksitzen geschlafen. wir hatten zum sternenhimmel geschaut und unsere zähne im freien geputzt. vince hatte mich mit kuchen geweckt, und wir waren in einem kleinen städtchen ins stehcafé der fußgängerzone gegangen. vince hatte sich dort den schlüssel für ein haus besorgt, das ganz in der nähe einsam hinter einem see lag. es war ein großes haus mit blinden spiegeln in der eingangshalle und hohen flügeltüren zur terrasse. aus den hähnen kam dunkles wasser. staubflocken lagen auf dem parkett.&lt;/i&gt;&lt;i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;obwohl es kühl war, verbrachten wir ein paar nächte draußen auf zwei alten liegen, mit blick auf den see. wenn ich eine sternschnuppe sah, wünschte ich mir, wir würden ewig so zusammenbleiben. wir hüllten uns in dicke wolldecken und wachten morgens am see auf, wenn ein großer vogel übers wasser glitt oder sich neben uns etwas bewegte und verschwand. zeigte sich die sonne, liefen wir durch den nahen wald, den sonnenstrahlen hinterher. vince legte seine jacke um meine schultern, wenn ein wind aufkam. er versuchte nicht, mich zu berühren. unsere blicke reichten aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;font size="1"&gt;mit sicherheit eine wunderbare geschichte - lesen lohnt sich.&lt;/font&gt;&lt;i&gt;&lt;/i&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2006-08-07T14:34:00</title>
    <published>2006-08-07T12:36:43Z</published>
    <updated>2006-08-07T12:38:07Z</updated>
    <content type="html">What sticks to memory, often, are those odd little fragments that have no beginning and no end:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Norman Bowker lying on his back one night, watching the stars, then whispering to me, "I'll tell you something, O'Brien. If I could have one wish, anything, I'd wish for my dad to write me a letter and say it's okay if I don't win any medals. That's all my old man talks about, nothing else. How he can't wait to see my goddamn medals."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Or Kiowa teaching a rain dance to Rat Kiley and Dave Jensen, the three of them whooping and leaping around barefoot while a bunch of villagers looked on with a mixture of fascination and giggly horror. Afterward, Rat said, "So where's the rain?" and Kiowa said, "The earth is slow, but the buffalo is patient," and Rat thought about it and said, "Yeah, but where's the rain?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Or Ted Lavender adopting an orphan puppy - feeding it from a plastic spoon and carrying it in his rucksack until the day Azar strapped it to a Claymore antipersonnel mine and squeezed the firing device.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The average age in our platoon, I'd guess, was nineteen or twenty, and as a consequence things often took on a curiously playful atmosphere, like a sporting event at some exotic reform school. The competition could be lethal, yet there was a childlike exuberance to it all, lots of pranks and horseplay. Like when Azar blew away Ted Lavender's puppy. "What's everybody so upset about?", Azar said. "I mean, Christ, I'm just a boy."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I remember these things too.&lt;br /&gt;The damp and fungal scent of an empty body bag.&lt;br /&gt;A quarter mooon rising over the nighttime paddies.&lt;br /&gt;Henry Dobbins sitting in the twilight, sewing on his new bucksergeant stripes, quietly singing, "A tisket, a tasket, a green and yellow basket."&lt;br /&gt;A field of elephant grass weighted with wind, bowing under the stir of a helicopter's blades, the grass dark and servile, bending low, but then rising straight again when the chopper went away.&lt;br /&gt;A red clay trail outside the village of My Khe.&lt;br /&gt;A hand grenade.&lt;br /&gt;A slim, dead, dainty young man of about twenty.&lt;br /&gt;Kiowa saying, "No choice, Tim. What else could you do?"&lt;br /&gt;Kiowa saying, "Right?"&lt;br /&gt;Kiowa saying, "Talk to me."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt; O'Brien, T. (1990). &lt;u&gt;The things they carried (pp.34-35).&lt;/u&gt; London: Flamingo.&lt;/i&gt;</content>
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    <title>Milan Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins</title>
    <published>2006-08-05T18:25:36Z</published>
    <updated>2006-08-07T12:40:28Z</updated>
    <content type="html">Es ist unmöglich, zu überprüfen, welche Entscheidung die richtige ist, weil es keine Vergleiche gibt. Man erlebt alles unmittelbar, zum ersten Mal und ohne Vorbereitung. Wie ein Schauspieler, der auf die Bühne kommt, ohne vorher je geprobt zu haben. Was aber kannd as Leben wert sein, wenn die erste Probe für das Leben schon das Leben selber ist? Aus diesem Grunde gleicht das Leben immer einer Skizze.Auch &amp;gt;Skizze&amp;lt; ist nicht das richtige Wort, weil eine Skizze immer ein Entwurf zu etwas ist, die Vorbereitung eines Bildes, während die Skizze unseres Lebens eine Skizze von nichts ist, ein Entwurf ohne &lt;br /&gt;Bild.&lt;br /&gt;Einmal ist keinmal, sagt sich Tomas. Wenn man ohnehin nur einmal leben darf, so ist es, als lebe man überhaupt nicht.</content>
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      <name>Katherine Headburn aka  Dr. Strangelove</name>
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    <title>Emine Sevgi Özdamar - Die Brücke vom Goldenen Horn</title>
    <published>2006-08-05T16:03:58Z</published>
    <updated>2006-08-05T16:04:25Z</updated>
    <content type="html">Bei Hertie im letzten Stock gab es Lebensmittel. Wir waren drei Mädchen, wollten bei Hertie Zucker, Salz, Eier, Toilettenpapier und Zahnpasta kaufen. Wir kannten die Wörter nicht. Zucker, Salz. &lt;br /&gt;Um Zucker zu beschreiben, machten wir vor einer Verkäuferin Kaffeetrinken nach, dann sagten wir Schak Schak. Um Salz zu beschreiben, spuckten wir auf Herties Boden, streckten unsere Zungen raus und sagten:"eeee". Um Eier zu beschreiben, drehten wir unsere Rücken zu der Verkäuferin, wackelten mit unseren Hintern und sagten:"Gak gak gak." Wir bekamen Zucker, Salz und Eier, bei Zahnpasta klappte es aber nicht. Wir bekamen Kachelputzmittel. So waren meine ersten deutschen Wörter Schak Schak, eeee, gak, gak, gak.</content>
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    <title>Antonio Skármeta - Mit brennender Geduld</title>
    <published>2006-04-04T21:25:48Z</published>
    <updated>2006-04-04T21:25:48Z</updated>
    <content type="html">Sein Antlitz glänzte in kindlicher Freude, und sein scheues Lächeln erstrahlte mit der schlichten Bescheidenheit eines Brotes auf dem einfach gedeckten Tisch. "Wenn ich einmal sterbe", sagte er zu sich selbst, "dann möchte ich, dass der Himmel so ist wie dieser Augenblick."&lt;br /&gt;Aber die Züge zum Paradies sind immer kleine Vorortzüge, die sich in feuchten, stickigen Bahnhöfen verlieren. Die Eil-, Schnell- und D-Züge fahren alle zur Hölle. Und deren Hitze war es, die das Blut in seinen Adern in Aufruhr brachte...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-----&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Und warum hat eine so einfache Sache einen so komplizierten Namen?"&lt;br /&gt;"Weil die Namen nichts mit der Einfachheit einer Sache zu tun haben. Nach deiner Theorie dürfte ein kleines Ding, das fliegt, nicht so einen langen Namen wie &lt;i&gt;Schmetterling&lt;/i&gt; haben. Denk nur mal, dass &lt;i&gt;Elefant&lt;/i&gt; viel weniger Buchstaben hat, aber ein viel größeres Tier ist und nicht fliegt", sagte Neruda erschöpft. &lt;br /&gt;Und mit einer letzten Willensanstrengung wies er Mario höflich, aber bestimmt den Weg zur Bucht. Doch der Briefträger fand noch Zeit zu bemerken: "Verdammt, ich würde furchtbar gern Dichter sein."&lt;br /&gt;"Mann, in Chile ist doch jeder Dichter. Es ist viel origineller, du bleibst Briefträger. Zumindest bist du dann viel unterwegs und wirst nicht fett. Wir Dichter in Chile sind alle Fettwänste."</content>
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    <title>akatelektisch @ 2006-02-26T11:10:00</title>
    <published>2006-02-26T11:19:09Z</published>
    <updated>2006-02-26T11:20:27Z</updated>
    <content type="html">In allen Klassen ab der siebenten gab es samt- und seidenweiche Mädchen, deren Geburt durch langsam anschwellende Musik begleitet worden war wie das hochfahrende Windowsbetriebssystem von seiner Begrüßungsovertüre. Sie kamen als Miniaturprinzessinnen zur Welt, erreichten bereits in der Unterstufe das erste, fohlenhafte Stadium der Vollendung und wuchsen gleichmäßig in die Frau hinein, die sie einmal werden sollten. Ihre Entwicklung vollzog sich routiniert und fehlerlos, als hätten sie die Aufgabe des Älterwerdens schon etliche Male zuvor bewältigt. Jene Pubertätsprofis unterschieden sich auf den ersten Blick von Dilettanten. Sie hatten das gepflegte, schulterlange Haar erwachsener Frauen, trugen ihre Hüfthosen, breiten Gürtel und knappen Hemdchen mit wohltemperierter Lässigkeit und ließen glatte Kinderhaut und aufgeworfene Kindermünder zu Mädchenhaut und Mädchenmündern werden, ohne dass Pickel, Schweißausbrüche oder Wachstumslaunen zu irgendeinem Zeitpunkt die Harmonie ihrer Erscheinungen gestört hätten. Die Aura hochnäsiger Sauberkeit, die sie umgab, ließ sich weder von Regengüssen noch von feuchter Sommerhitze beeindrucken. Alles zierte die Prinzessinnen, nasse Haare, rote Nasen und selbst die Staubschicht, die sich im Sportunterricht beim Sprung in die alte Sandgrube über alle Körper legte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil sie daran gewöhnt waren, alles umsonst zu bekommen, besaßen diese menschlichen Rehkitze keinen Ehrgeiz. Männliche Mitschüler bemühten sich um sie, auch jene, zu denen eine Freundin mit Innenleben besser gepasst hätte. Manche betrieben leichten Sport oder lasen leichte Literatur. Ihre Schulnoten waren mittelmäßig; als Lieblingsfächer nannten sie Deutsch oder Kunst und Biologie, ohne erklären zu können, was ihnen daran gefalle. Während der Oberstufenjahre standen sie bereits im Zenit des Lebens. Sie besaßen die stärkste Ausstrahlung, empfingen ein Höchstmaß an Bestätigung und erlebten Tag für Tag eine Art farblosen Wohlbefindens, um nicht zu sagen: Glück. Nach dem Abitur würde es gemächlich abwärts gehen. Erfreulicherweise war ihnen der Spannungsbogen ihrer persönlichen Geschichte egal. Vielleicht ahnten sie etwas. Vielleicht rührte von jener Ahnung der melancholische Hauch, der ihren anmutigen Bewegungen etwas Träges, der Trägheit etwas Tragisches und der Tragik besondere Anmut verlieh.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit dieser Beschreibung sind alle Eigenschaften genannt, die Ada nicht anhafteten. Sie war das Gegenteil einer Prinzessin, sofern Prinzessinnen ein Gegenteil besitzen. Seit Ada im Alter von zwölf Jahren auf den Gedanken verfallen war, dass Sinnsuche nichts als ein Abfallprodukt der menschlichen Denkfähigkeit sei, galt sie als hochbegabt und schwer erziehbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt; Juli Zeh (2006), "Spieltrieb", S.11ff, btb: München.&lt;/i&gt;</content>
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    <title>akatelektisch @ 2005-08-07T16:49:00</title>
    <published>2005-08-07T14:50:56Z</published>
    <updated>2005-08-07T14:50:56Z</updated>
    <content type="html">Manchmal, dachte sie kläglich, ist die Welt soviel kränker als die Insassen dieser Anstalten. Sie erinnerte sich an Tilda, in der Klinik in Deutschland, damals, als auf der anderen Seite der Klinikmauern Hitler war. Und nicht einmal sie konnte sagen, welche Seite normal war. Tildas mörderischer Haß, niedergefesselt an Betten, durch Kanülen ernährt, von Medikamenten bis zur Ergebung betäubt, verblaßte immer wieder lange genug, um hin und wieder Licht hineinzulassen. Sie erinnerte sich, wie Tilda zu ihr aufsah und sie in einer Karikatur gütiger Höflichkeit von ihrem mit Segeltuch bespannten Bett anlächelte und sagte: "Bitte, kommen Sie doch herein, liebe Frau Doktor. Sie kommen gerade richtig zum Beruhigungstee für den Patienten und zum Weltuntergang."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499227762/qid=1123426204/sr=8-1/ref=sr_8_xs_ap_i1_xgl/028-8361145-3524530" target="_blank"&gt;Hannah Green - Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;</content>
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      <name>blanche neige</name>
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    <title>Melodien (zum zweiten)</title>
    <published>2005-07-11T06:52:01Z</published>
    <updated>2005-07-11T06:52:01Z</updated>
    <content type="html">Signor Pasqualini ist ein Mensch von beißendem Sarkasmus, auch bei Gelegenheiten, wo es ganz und gar nicht schicklich ist. Jedes Pflichtgefühl geht ihm ab, und er zeigt nur allzu deutlich, was er von seiner Stellung in der Cappella hölt. Er ist, sofern anwesend, ein dauernder Unruheherd...[...]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ecco! Da habt ihr eine Ahnung von den Ehrungen die man orpheischen Prinzen angedeihen lässt. Mit was man sich alles abgeben muss- unglaublich. Die scheußlichsten Blutegel, die sich überall anhängen, tagtäglich, stundstündlich; Christus hat nur einmal bluten müssen.&lt;br /&gt;Natürlich hatte Cipriani im großen und ganzen recht, aber bitte- befand ich mich denn etwa freiwllig in seiner Truppe? Mich ekelte es eben, eine Tonsur zu tragen, meine hübschen schwarzen Locken durch eine solche Rodung zu entstellen. Außerdem konnte ich mir weit schönere Kleider leisten als jene eintönige Kapellenuniform – sollte ich freiwillig wie ein Lumpensammler herumlaufen?&lt;br /&gt;Auch kam es mir lächerlich vor, mit einem Palmzweig wedeln zu müssen; ich sah keinen Sinn in solchen Faxen, und ich bin sicher, der Herr dort oben legt auch keinen Wert darauf, dass wir ihm Frischluft zufächeln, bestimmt pfeift er auf solche Äußerlichkeiten. [...]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute weiß ich, das Schicksal ist nicht so unabänderlich, wie das Gros der Tölpel es uns gern glauben machen will. Ich möchte das Schicksal mit einer Regenwolke vergleichen. Der Himmel kündigt sie an, oft hat man Zeit genug zu fliehen. Nur wenn man der Zeichen nicht achtet, ergießt sie sich über einem. Viele Menschen bleiben stehen und hoffen, die Wolke werde über sie hinwegziehen, ohne dass sie durchnässt würden. Und nennen es dann Schicksal, wenn es doch passiert.&lt;br /&gt;Nein – höchstens die Regenwolke hat ein Schicksal: sich da und dort zu entleeren- wer druntersteht, hat selber schuld. Vielleicht gibt es einige wenige Dinge, denen man nicht entgehen kann, mag sein; ich will nicht pauschal urteilen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[...]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Adriana Basile stürmte nach der Oper wütend meine Garderobe. Sie hatte ein hohes E verkiekst, und ich hatte das Auditorium von der Bühne aus angefeuert, seinem Unmut Luft zu machen- woraufhin tatsächlich ein Pfeifkonzert losbrach und die Basile eine Niederlage erlebte, wie ich sie mir schöner nie erträumt hätte. Nun stand sie da, bebend, schreiend, gab mir die Schuld an ihrem verkieksten E – als ob ich ein Zauberer wäre. &lt;br /&gt;Mit der mir eigenen galanten Gelassenheit schmetterte ich die Vorwürfe ab und verwies darauf, dass die Natur den Frauen eben nicht die Mittel gegeben habe, auf oberstem Niveau mithalten zu können. Da griff sie mich an, packte und schüttelte mich und fragte, woher ein zurückgebliebener Knirps das Recht nehme von Körperbau und Lungenkraft zu reden? Ich sagte höflich: „Madame- Tittenumfang macht noch kein Volumen!“ Da verlor sie völlig die Beherrschung, stieß mich gegen die Wand, dass ich Angst haben musste, mir alle Rippen zu brechen. Und sie geiferte!&lt;br /&gt;Verschnittene Widerlinge wie ich seien Mostren, Verbrechen wider die Natur, seien Anachronismen, deren letztes Stündlein bald schlagen würde; der Tag würde kommen, an dem keiner sie mehr vermisse und sie von den Frauen zur Gänze verdrängt seien! Entmannte Giftzwerge wie ich dürften dann schauen, ob sie noch einen Posten als Eunuch im türkischen Harem ergattern konnten, um den Nachwuchs des Paschas Wiegenlieder zu pfeifen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Glück kam Allegri vorbei und rettete mich, indem er die Basile zum Ausgang drängte und drohte, den Vorfall auf höchster Ebene zur Sprache zu bringen.&lt;br /&gt;Dann half er mir hoch, streichelte mich und flüsterte irgendwelchen Schweinkram- dem ich nicht zuhörte.&lt;br /&gt;In jenem historischen Moment nämlich schwor ich, nicht zu ruhen, bevor Frauen ein für allemal von den Bühnen verschwunden wären! Die Oper sollte gereinigt, die beleidigte Ehre der Kunst wiederhergestellt sein! Ich hob die Faust und schwors zum Himmel, jedem, der mir dort oben lauschte.&lt;br /&gt;Dass Allegri den Moment dazu benutzte, mir eine Hand unter den Rock zu schieben, konnte des Eides Erhabenheit nicht beeinträchtigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[...]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedes mal, wenn ich meine Gunst minderte, mich gegen seine Geilheit sperrte, Langeweile zeigte und unsere Beziehung in Frage stellte, griff er – wenn sonst nichts fruchtete- zu jenem letzten Mittel. Dann platzierte er mich in einen bequemen Stuhl, kniete nieder und vergrub den Kopf zwischen meinen Beinen. Er fragte ob ich ihn noch liebe? Ich sagte dann immer, na ja ... schon...irgendwie...Dann fragte er, ob er sich denn immer noch auf mich verlassen könne? Selbstverständlich...versicherte ich prompt.&lt;br /&gt;Also schön- ich habe noch eine behalten! So ging es meist weiter. Er begann dann wieder eine jener Melodien zu singen, Dutzende Male, und ich sank ihm jeweils in die Arme, bezaubert- und das meine ich gar nicht ironisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[...]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;lj hat den post als kommentar nicht zugelassen, da er zu lang war. übrigens habe ich hier nur zitate, die einen der vier hauptpersonen (pasqualini) behandeln, abgetippt, weil er eine meiner freundinnen interessiert hat.</content>
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    <title>Melodien- Helmut Krausser</title>
    <published>2005-07-09T11:13:42Z</published>
    <updated>2005-07-09T11:13:42Z</updated>
    <content type="html">Plädoyer um Gnade und Erlösung. In einer wuchtigen Implosion zerbarst die Stille, trieb in Fetzen um ihn her, Klang brach sich in allen Winkeln, tönende Atembrocken stürzten von überall zurück, klatschten über dem Tropator wie Sturmwellen zusammen. Dröhnender Schwall. Gischt des Gesangs.&lt;br /&gt;Plötzlich strotzten die Gruft von lang verjährten Geräuschen – Räuschen- , fiebrig wühlte sie in ihrer Erinnerung, grub Vergessenstes aus. Selbst die Epitaphe erinnerten sich wieder des Sinns ihrer Worte. Alles, was dort unten je geklungen hatte, ob gemurmelte Trauer, ob leises Schluchzen, ob hallende Schritte, Nachtwachen, Kerzenwachszischen oder das dumpfe Aufsetzen einer Steinplatte, - alles kehrte zurück, als wär es starr gefroren immer hier gestanden und endlich zu neuen Konzerten getaut. Castiglio fühlte das Geheimnis von Raum und Äther selbst: Lärm, Musik, Verkündigung. Sein Mund wurde zum Gral allen Geräusches; Weingefäß, heiliges Lied, das alles mitriss, bei dem nichts mehr zu schweigen fähig war., nicht der Stein und nicht das Moos, weder Staub noch Verwesung, nicht Eisen noch Luft. Krieg der Klänge und des Schweigens. Notenstrahlen wurden schwarz bespickt, Vision akustisch verwandelt.&lt;br /&gt;Castiglio, zum Instrument des Universums geworden, sang das segnende Lied, den Choral des ewigen Krieges, die magischen Tropoi der Welt und ihrer Fronten. Und er war sicher, sollte er dereinst in die Grube fahren, würde sich ein preisendes Potpourri daraus ergießen über ihn, den Tropator; erlöst würde er die Tonleiter aufwärts klettern, bis niemand der Lebenden ihn mehr hören könnte.&lt;br /&gt;Er war so glücklich. Neue Lieder der Liebe und Verzweiflung. &lt;br /&gt;Glücklich...&lt;br /&gt;Vielleicht liegen die Stimmen der Toten im Bereich des neungestrichenen A und darüber? An Totenstille vermochte er jetzt nicht mehr zu glauben; alles war Leben geworden und Glück. Schlachtenglück. Glücksmoment.&lt;br /&gt;Geht hinab! Steckt eure Ohren in den Spalt! Kommt her!&lt;br /&gt;Er horchte auf die Sarkophage, vermerkte ein rhythmisches Erinnern an den Plattenunterseiten, stimmte selig die Melodien zum zweiten Mal an, variierte überschwänglich eine Achtel- zur Elftelpause.&lt;br /&gt;Alles Innen war Äußerung und Expansion, Verschwiegenheit unmöglich, ein Fest wurde gefeiert im Klangtempel des Etwas, umfassendes Konzert aller Lagen und Sphären, von der Tiefe des Meeres bis zu den Höhen der Geister. Die Melodien waren in ihm, und das Keckern der Kobolde gehörte dazu wie das Raunen der Fluten und der Baß des Gebirges, das Plärren der Verwundeten wie der Sopran der Erfüllung; leidvolles Stöhnen, zufriedenes Gurren, Schrei der Ekstase, Flüstern der Demut, das Gähnen des Moders ebenso wie das Jauchzen der Lust.&lt;br /&gt;Alles, wirklich alles.</content>
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      <email>xenia.schmidt@gmx.net</email>
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    <title>Unterm Rad - Hermann Hesse</title>
    <published>2005-05-16T15:33:44Z</published>
    <updated>2005-05-16T15:33:44Z</updated>
    <content type="html">„Da lesen wir Homer“, höhnte er weiter, „ wie wenn die Odyssee ein Kochbuch wäre. Zwei Verse in der Stunde, und dann wird Wort für Wort wiedergekäut und untersucht, bis es einem zum Ekel wird. Aber am Schluss der Stunde heißt es dann jedes Mal: Sie sehen, wie fein der Dichter das gewendet hat, Sie haben hier einen Blick in das Geheimnis des dichterischen Schaffens getan! Bloß so als Soße um die Partikeln und Aoriste herum, damit man nicht ganz dran erstickt. Auf die Art kann mir der ganze Homer gestohlen werden.(...)</content>
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    <title>Arundhati Roy - Der Gott der kleinen Dinge</title>
    <published>2005-04-26T22:16:10Z</published>
    <updated>2005-04-26T22:16:10Z</updated>
    <content type="html">&lt;font size="-2"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;....&amp;gt;&amp;gt;Wir sind Kriegsgefangene&amp;lt;&amp;lt;, sagte Chacko. &amp;gt;&amp;gt;Unsere Träume wurden kastriert. Wir gehören nirgendwohin. Wir segeln ohne Anker durch stürmische Meere. Vielleicht wird man uns nie erlauben, an Land zu gehen. Unser Leid wird nie traurig genug sein. Unsere Freude nie freudig genug. Unsere Träume werden nie groß genug sein. Unser Leben nie wichtig genug. Um von Bedeutung zu sein.&amp;lt;&amp;lt; ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                          ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er holte sie in die Wölbung seines Körpers. Vom Fluß wehte eine Brise heran und kühlte ihre warmen Körper. &lt;br /&gt; Sie war ein bißchen kalt. Ein bißchen naß. Ein bißchen still.            &lt;br /&gt;Die Atmosphäre.&lt;br /&gt;   Aber was gab es zu sagen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Stunde später stand Ammu vorsichtig auf.&lt;br /&gt;  &lt;i&gt;Ich muß gehen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;  Er sagte nichts, rührte sich nicht. Er sah zu wie sie sich anzog.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur eins war jetzt wichtig. Sie wußten, daß es alles war, was sie voneinander verlangen konnten. Nur dieses eine. Jemals. Sie wußten es beide.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch später, in den dreizehn Nächten, die auf die erste Nacht folgten, hielten sie sich instinktiv an die kleinen Dinge. Die großen Dinge lauerten allzeit in ihrem Inneren. Sie wußten, daß sie nirgendwo hingehen konnten. Sie hatten nichts. Keine Zukunft. Deswegen hielten sie sich an die kleinen Dinge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie lachten über Ameisenbisse auf dem Po des anderen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                ...&lt;/font&gt;</content>
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      <name>entfremdete</name>
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    <title>Akutagawa Ryunosuke - Das Leben eines Narren</title>
    <published>2005-04-24T15:53:53Z</published>
    <updated>2005-04-24T15:53:53Z</updated>
    <content type="html">Einer seiner Freunde war wahnsinnig geworden. Er hatte diesem Freund immer besonders nahegestanden. Und zwar deshalb, weil ihm mehr als allen anderen dessen Einsamkeit bewußt war - jene Einsamkeit, die sich unter einer heiteren Maske verbarg. Nachdem sein Freund verrückt geworden war, besuchte er ihn zwei, drei Male.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Du und ich, wir sind von einem Dämon besessen. Vom Dämon des Fin de siécle!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war es, was der Freund zu ihm sagte, die Stimme gesenkt. Und dann erfuhr er, dass sein Freund einige Tage später in einen Thermalort gereist war und unterwegs Rosenblüten gegessen hatte. Nachdem sein Freund in ein Krankenhaus eingewiesen worden war, erinnerte er sich an die Terracotta-Büste, die er ihm irgendwann geschenkt hatte. Sie stellte den Autor der Komödie Der Revisor dar, die sein Freund über alles liebte. Er dachte daran, dass auch Gogol umnachtet gestorben war, und konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass irgendeine Kraft Gogol beherrscht hatte, unter deren Kontrolle auch sein Freund stand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu Tode erschöpft, las er die letzten Worte Radiguets und hörte abermals das Gelächter der Götter. "Die Soldaten Gottes nahen, um mich zu ergreifen" - so lauteten dessen letzte Worte. Verzweifelt versuchte er, seinen Aberglauben und seine Sentimentalität niederzukämpfen. Aber seine körperliche Verfassung machte jeden Kampf unmöglich. Es stimmte: "Der Dämon des Fin de siécle" hielt ihn in seinen Klauen. Er beneidete die Menschen des Mittelalters, die auf Gott vertraut hatten. Aber ihm war es völlig unmöglich, an Gott zu glauben - an die Liebe Gottes zu glauben. An jenen Gott zu glauben, an den sogar Cocteau geglaubt hatte!</content>
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      <name>The only living person in Glendora</name>
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    <title>Arkadi und Boris Strugatzki, Die bewohnte Insel</title>
    <published>2005-04-03T13:53:04Z</published>
    <updated>2005-04-03T13:53:04Z</updated>
    <content type="html">Hinter sich ließen sie zerknickte Sträucher, eine Blutspur, ihren Geruch; Alle Wege sind längst abgeriegelt, die Hunde zerren an ihren Leinen, und Rittmeister Tschatschu läuft, die Pistole in der Hand und Kommandos krächzend, klumpfüßig über den Asphalt, er setzt über den Straßengraben und taucht als erster ins Gebüsch. Hinter sich ließen sie diesen idiotischen Turm, der nun gesprengt war, und die verkohlten Legionäre und drei tote, schon steife Kameraden; die beiden anderen hier waren verwundet, halbtot, hatten kaum eine Chance – und alles wegen eines Turms, eines von tausenden. Nie mehr erlaube ich jemand, solche Dummheiten zu machen. Nein, werde ich sagen, ich hab es gesehen... Wieviel Blut, und alles für einen Haufen unnützen, verrosteten Eisens; ein junges dummes Leben für das verostete Eisen, und ein altes dummes Leben für die erbämliche Hoffnung, ein par Tage wie Menschen zu leben, un eine erschossee Liebe – sie nicht mal für das Eisen oder die Hoffnung... Wenn ihr nichts anderes als leben wollt, werde ich sagen, warum sterbt ihr dann so einfach, so billig... Massaraksch, ich gestatte ihnen nicht zu sterben, sie werden leben, ich bringe ihnen bei zu leben! Was für ein Idiot ich war, wie konnte ich mich auf so etwas einlassen, wie konnte ich ihnen das erlauben...</content>
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    <title>Hermann Hesse : Peter Camenzind</title>
    <published>2005-04-02T09:57:55Z</published>
    <updated>2005-04-02T09:57:55Z</updated>
    <content type="html">Mit Erstaunen nahm ich wahr, dass der Mensch von der übrigen Natur sich vor allem durch eine schlüpfrige Gallert von Lügen unterscheidet, die ihn umgibt und schützt. In Kürze beobachtete ich an allen&lt;br /&gt;meinen Bekannten dieselbe Erscheinung – das Ergebnis des Umstandes, dass jeder eine Person, eine klare Figur vorzustellen genötigt wird, während doch keiner sein eigenstes Wesen kennt. Mit sonderbaren Gefühlen stellte ich an mir selber dasselbe fest und gab es nun auf, den Personen auf den Kern dringen zu wollen. Bei den meisten war die Gallert viel wichtiger. Ich fand sie überall auch schon den Kindern, welche stets, bewusst oder unbewusst, lieber eine Rolle mimen, als sich ganz unverhüllt und instinktiv kundgeben.</content>
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      <email>bradford.goodwin@gmail.com</email>
      <name>the remain silent rider</name>
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    <title>Adagia</title>
    <published>2005-04-01T07:35:49Z</published>
    <updated>2005-04-01T07:35:49Z</updated>
    <content type="html">"Letzlich wird das Ästhethische völlig zermalmt und zerstört von der Unfähigkeit des Beobachters, der selbst zermalmt worden ist, um noch ein Gefühl dafür übrig zu haben."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-Wallace Stevens, übersetzt von Karin Graf und Joachim Sartorius</content>
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    <title>Milan Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins</title>
    <published>2005-03-31T20:00:19Z</published>
    <updated>2005-03-31T20:01:00Z</updated>
    <content type="html">Nach vier Jahren in Genf ließ Sabina sich in Paris nieder. Sie erholte sich nicht von ihrer Melancholie. Hätte sie jemand gefragt, was ihr zugestoßen sei, sie hätte keine Worte gefunden dafür.&lt;br /&gt;Das Drama eines menschlichen Lebens kann man immer mit der Metapher der Schwere ausdrücken. Man sagt, eine Last ist einem auf die Schultern gefallen. Man vermag sie zu tragen oder auch nicht: man bricht unter ihr zusammen, kämpft gegen sie, verliert oder gewinnt. Was ist Sabina aber wirklich zugestoßen? Nichts. Sie hat einen Mann verlassen, weil sie ihn verlassen wollte. Hat er sie verfolgt? Hat er sich gerächt? Nein. Ihr Drama ist nicht das Drama des Schweren, sondern des Leichten. Auf Sabina ist keine Last gefallen, sondern die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.</content>
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